10. Mai 2020 muttertag

Tag 51 der Ausgangsbeschränkung

Der Vorteil von erwachsenen Kindern ist unter anderem, dass man keine Topflappen mehr zum Muttertag gehäkelt bekommt oder abstrakt gebasteltes, sondern tolle Sachen, die einem wirklich gefallen. Wenn dann die eigene Tochter auch noch tolle Freundinnen hat, die einem einen Mega Muttertagsbrunch hinzaubern, dann weiß man wieder, wofür man sein Bindegewebe vor 26 Jahren derartigen Strapazen ausgesetzt hat.

 

Ich bin immer wieder sehr stolz und froh, wie unkonventionell und entspannt meine Tochter und ich mit derartigen Anlässen umgehen. Egal ob Weihnachten, Geburtstage oder Muttertag, da herrscht weder Zwang noch Anspannung, keine festgelegten Routinen und Verpflichtungen. Ich habe sowas als Kind immer gehasst und freue mich, dass es auch anders geht.


Den restlichen Nachmittag habe ich bei Dschungel-Wetter im Stadtparkregenwald verbracht. Mit viel Musik und gefühlt allen Fürther Einwohner, die irgendwie laufen können. Ein sehr relaxter und angenehmer Tag bis ich abends wieder online war...


Mein gestriger Tagebucheintrag löste überraschenderweise sehr viel Resonanz aus. Positive wie auch Negative natürlich. Mein Messanger quoll über und ich kenne jetzt eine Menge neuer Schimpfwörter, "Systemschlampe" fand ich am Besten, ich glaube das druck ich mir in Pink auf ein T-Shirt. Mit Glitzer!

Nebenbei möchte ich erwähnen, dass meine Steuererklärung sich jetzt ein Megaphon besorgt hat und mich richtiggehend anbrüllt, endlich erledigt zu werden. Morgen ganz bestimmt....

9. Mai 2020 Samstag

Tag 50 der Ausgangsbeschränkung

 

50 volle Tage Corona und ich lebe noch, bin gut gelaunt, leide keine Not, bin gesund und bewege mich fast wie gewohnt durch meine Stadt, überlebe es mit 10cm Stoff vorm Mund im Laden, habe Sozialkontakte, ausreichend Entertainment, niemand hat mir was schlimmes angetan und ich fühle mich mehr als ausreichend informiert

und sicher.
Warum ich das so aufzähle?
Weil ich es nicht fassen kann, dass es in Nürnberg wirklich an die 2.000 (in München 3.000) "demonstrierende" paranoide Mitläufer gibt, die fest davon überzeugt sind, dass hochkarätige Wissenschaftler, die ihr ganzes Berufsleben mit Virologie, Epedemielogie etc. beschäftigt sind, einfach keine Ahnung haben, dafür aber natürlich irgendwelche Lebensvollversager, die krude Theorien in eine Kamera stammeln, die einzig "Wissenden" sind.

Dass die Leute wirklich glauben, dass der böse Bill Gates uns alle chippen will, "der Staat" morgen an unserer Tür klingelt und uns mit einer fetten Kanüle die Zwangsimpfung in den Arsch rammt? Oder dass alle Mächtigen dieser Welt irgendeinen gemeinsamen Superplan verfolgen, um die gesamte Welt zu unterdrücken. (Witzig: die ganzen Supermächtigen bringen es seit Jahren nicht mal auf die Reihe, sich gemeinsam auf irgendein Klimaziel zu einigen, oder darauf, ohne Waffen und Kriege auszukommen, oder sich auch nur gemeinsam an einen Tisch zu setzen)
Aber natürlich sind sie sich alle einig, irgendeinen großen Plan zu verfolgen. Ja welchen denn eigentlich? 
Früher gab es in jedem Dorf oder Stadtteil halt den sogenannten Dorfdeppen. Ein verwirrter Mann meist, der merkwürdiges Zeug redete, immer ein bißchen nervte, dem keiner zuhörte, der in der Dorfkneipe aber trotzdem ein Bier bekam und beim Schützenfest vielleicht mal trommeln durfte.
Heute sind dank moderner Technologie (u.a. von Bill Gates übrigens) diese ganzen Deppen vernetzt, steigern sich gegenseitig in eine Spirale immer bescheuerter Theorien und sind überzeugt, die einzig "Sehenden und Informierten" zu sein. Ja ist klar.
Um auf die Konzerne zu schimpfen, Bill Gates als Feind zu sehen und sich zu organisieren nutzen diese Menschen komischerweise all die Produkte dieser "Mächtigen". Finden die das selbst nicht irgendwie inkonsequent?
Sie glauben, dass die öffentlich-rechtlichen Medien systemgesteuerte Lügenpresse ist, kommen aber nicht auf die Idee, dass irgendein gestammeltes YouTube-Video oder ein geisteskranker, aufhetzender Text aus dem Kopp-Verlag vielleicht einfach nur ein rechtsgesteuertes Medium sein könnte? 

Sie demonstrieren gegen die Beschneidung ihrer Grundrechte, indem sie eines unserer Grundrechte nutzen: das Demonstrationsrecht. Sie beschweren sich, es gäbe Zensur und keine Meinungsfreiheit, dabei plärren diese Schwachmaten überall ungestört ihre "Meinung" durch die Gegend. Sie schimpfen auf den scheiß Staat, der ja eigentlich ne GmbH ist (is klar ne), lassen sich von dem Staat aber gerne versorgen mit Hartz4, Kindergeld, Renten und ärztlicher Versorgung. Brüllten einst: Grenzen dicht machen, scheiß Europa, scheiß Ausländer, scheiß alles - heute brüllen sie, weil sie nicht zum Drogen und Kippen kaufen in die Tschechei oder in Urlaub können, weil die Grenzen zu sind.

Sämtliche politische Extremisten freuen sich über diese Schar an Opfern, die sich so leicht manipulieren lassen, geben denen das Gefühl der Heimat und dass sie Recht haben und bestärken sie in ihrem Tun. Das ist, was mir Angst macht.
Dem Dorfdeppen hat man damals das Brotzeitmesser aus der Hand genommen und hat ihn heimgebracht, wenn er ein Bier zuviel hatte, den heutigen Großstadtdeppen gibt man die Waffen an die Hand. Übers Netz, über Smartphones und Computer - entwickelt von Wissenschaftlern und Bill Gates. 

Meinungsfreiheit ist toll. Wahnfreiheit besorgniserregend.

In diesem Sinne: haltet Euren Kopf und Euer Herz sauber.

8. Mai 2020 freitag

Tag 49 der Ausgangsbeschränkung

entgegen meiner (und Eurer) Gewohnheit, gibts den heutigen Tagebucheintrag schon am Abend, denn morgen will ich ganz früh Lebensmittel einkaufen um nicht wieder in die Lebensmittelmarkt-Zombie-Apokalypse zu geraten. Außerdem bin ich so entsetzlich energiegeladen und topfit, dass ich mich bald um mich selbst drehe, wenns so weitergeht. (Könnt auch an den 8 Tassen Kaffee liegen heute)

 

Jedenfalls war das ein richtig toller Sommertag. Kaffee und 1 Mittags-Ouzo

(ich wurde von Frau Färdderla gezwungen) am Markt, Kaffee, Musik und Sonne im Park und *trommelwirbel* das Video, von dem ich gestern erzählt habe, ist fertig und ich finde, es ist richtig gut geworden. (fettes Lob an Stefan Weiss von  Fürth.tv

 

Ich glaube, wir sind uns alle einig, dass wir es alle kaum erwarten können, wieder zu tanzen, zu feiern, ins Sportstudio zu gehen, Freunde und Bekannte herzlich zu begrüßen, ohne krampfiges Distanzgehopse. Der Sommer schreit danach, gelebt zu werden - auch wenn es angeblich am Montag kalt werden soll. (Das ist sicher das unerledigte-Steuererklärungs-Karma) 

 

In diesem Sinne - keep on dancing

7. Mai 2020 Donnerstag

Tag 48 der Ausgangsbeschränkung

Heute war ein richtig guter, emotionaler und produktiver Tag.

(ne, immer noch keine Steuererklärung erledigt)


Endlich durfte ich nach gefühlten hundert Jahren wieder mit Fürth.TV ein "brutal lokal" drehen. Diesmal kein lustiges Spaß- oder Lifestyle-Video, sondern wir waren zu Gast in der  Tanzschule Forum bei meiner lieben Freundin Ute, die vor lauter Sorgen um ihre Tanzschule nicht mehr ein noch aus weiß.

Tanzschulen gehören ja scheinbar irgendwie zu gar keiner Lobby. Weder richtig zu Sport, noch irgendwie zur Erwachsenenbildung, noch zur Gastronomie, auch zur Kultur nicht so richtig.

Das ist wohl auch der Grund, weshalb die Tanzschulen und Ballettstudios u.ä. in den Erwähnungen des Bayrischen Königs gar nicht vorkommen und somit auch null Perspektive oder gar Lockerung verlautbart wird.

Ordnungsgemäß angemeldet fand nun gestern eine sogenannte stille Demonstration auf dem Parkplatz vor der Tanzschule statt, sehr viele Kunden kamen vorbei, um ihre Schuhe als Zeichen der Solidarität dort abzustellen. Ein stummer, bewegungsloser Ausdruck des nicht-tanzen-dürfens.

 

Das heutige Greinmeicherla-Foto ist während des Interview-Drehs entstanden, auf meine Frage: "Ute, wie fühlst Dich hier und jetzt zusammen mit Deinen Tanzschülern und deren Solidarität?"

Ich glaub man muss gar nicht hören, was sie sagt, wenn man das Foto genauer ansieht. 
Chefin heult, Mia heult. Die Sonne lacht. 
Das fertige Video wirds in den nächsten Tagen geben, aber der heutige Tagebucheintrag ist nur für Ute und Ihre Tanzschulencrew:

Ihr seid großartig, tapfer und liegt ganz ganz vielen Menschen am Herzen. Haltet durch! 
Tanzen ist lebensfreuderelevant  ?? #freeyourlocalTanzschule

Fotos made by Thomas Bittel, der Gott sei Dank fast immer an meiner Seite ist und mich supportet.

6. Mai 2020 Mittwoch

Tag 47 der Ausgangsbeschränkung

 

Nach der Arbeit mal wieder einen Shopping-Versuch unternommen.

Diesmal wollte ich in meinen Lieblings-Modeschmuckladen BB.

Natürlich auch hier: Coronavorschriften. Nur 2 Kunden im Laden erlaubt.

Zwei(!!!) Also das ist ein Modeschmuckladen, in dem man erst mal hunderte von kleinteiligen Bling-Bling-Sächelchen durchsuchen muß, bis man etwas findet.

Vor mir eine wartende Dame, hinter mir eine. So standen wir maskiert geschlagene 30 Minuten vor dem Laden. Im Laden ein Teenagerfreundinnenpärchen, gemüüüüüütlich jedes einzelne Teilchen befummelnd, völlig ungerührt davon, dass vielleicht auch andere noch gerne reinmöchten.

Die Dame vor mir raunzte leicht ungeduldig von außen in den Laden, wie lang das denn doch dauern würde, die (ebenfalls sehr sehr junge) Verkäuferin zuckte mit den Schultern, die Teenagerchen guckten ungerührt weiter und unterhielten sich recht angeregt dabei. Ich gab nach 35 Minuten auf.

Jetzt mal eine Hochrechnung: wenn das dort den ganzen Tag so ähnlich läuft (10-18 Uhr) also 2 Kunden, jeder braucht ne halbe Stunde, Durchschnittsumsatz im Modeschmuckbereich ca. 10 Euro pro Kunde, vorausgesetzt, jeder kauft auch etwas, die meisten kommen zu zweit, aber nur einer kauft was. also im Schnitt haben die dann sehr sehr großzügig gerechnet zwischen 150 und 200 Euro pro Tag Umsatz. da kann man dann eigentlich auch gleich zulassen.

Diese Regelungen stärken leider nur den Onlinehandel und schwächen besonders den kleinen Einzelhändler.


Daheim Radio an - Corona-Thema. Radio aus. Laptop an, Facebook auf, Mails gecheckt: Corona, Corona, Corona, Corona. Klappe wieder zu und in den Stadtpark.

Eine Stunde ohne Medien - herrlich.
Später wieder zu Hause, Fernseher an. Corona Sondersendung, ARD Extra Corona, Talkshow - Corona, Nachrichten Corona, danach noch Sondersendung Corona.


ICH! KANNS! NIMMER! HÖREN!


Nachrichten und ein tägliches knappes Update sind völlig legitim, aber von früh bis spätnachts diese überbordende Überinformation? Talkshows darüber - ohne Ende. Inhaltlich nichts neues, nichts wichtiges, aber jeder darf ne Dreiviertelstunde öffentlich mit anderen drüber streiten. Ergebnislos natürlich.
Ihr merkt schon, ich bin extrem overdosed.
Ich möchte endlich wieder neue Themen, frische Inhalte, leichtes Entertainment.

Und jetzt stell ich mich erst mal ne dreiviertel Stunde beim Bäcker an. 

Achtung Vollmond naht - Mia wird zu einer reizbaren Mischung aus Werwolf, Hulk, Heulsuse und Vampir

(Morgen wirds besser, ich bin heute abend mit Kamerateam von Fürth.TV wieder mal brutal lokal unterwegs)

 

5. Mai 2020 Dienstag

Tag 46 der Ausgangsbeschränkung

Foto Netzfundstück Facebook

Weil wir Bayernkinder alle recht brav waren, hat Onkel Söder uns wieder ein paar neue Bonbons hingeworfen und unseren Hausarrest gelockert. Auch dürfen wir jetzt wieder mehr Kontakte haben. Allerdings nur mit der Familie ersten Grades. 
Ich glaube, tausende Teenager freuen sich grad riesig, dass sie jetzt wieder mit bis zu 5 Leuten rausdürfen, aber halt nur mit Oma und Opa, oder Onkel Heinz und Tante Helga. Yeaaah, das wird ein super Sommer...

 

Und im Ernst: ich freu mich sehr, dass ab 18. Mai zumindest die Außengastronomie öffnen darf. Klar mit Sicherheitsabstand zwischen den Tischen. Das wird ne Keilerei geben, denn wer erst mal nen Platz draussen ergattert hat, wird den vermutlich die nächsten 4 Stunden nicht mehr freiwillig hergeben. Naja um 20 Uhr zur Tagesschau ist eh Schluss und alle müssen heim.
Ne Woche später dürfen dann die Speiselokale öffnen. Yeaaaaah.

Auch hier, reservieren, Platz nur für 2 oder aber große Tische nur für Familien. Ab jetzt also immer schön das Familienstammbuch in die Handtasche stecken, falls man kontrolliert wird. 

Naja man ist ja auch mit unständlich regelmentierten Freiheitshäppchen zufrieden mittlerweile. Jeder kleine Schritt ist ein kleiner Akt der Resozialisierung und Befreiung.

Ich frage mich, ob ich "Menschenmenge" schon wieder kann. Und ob ich sie will.

Zu meiner eigenen Überraschung hab ich mich so erstaunlich schnell an diese menschenreduzierte Zeit gewöhnt und sie größtenteils sogar genossen. Steckt vielleicht ein kleiner unentdeckter Einsiedler in mir, der erst durch Corona zum Vorschein kam? Oder bin ich einfach nur sehr anpassungsfähig und ziehe aus jeder Situation, die sich mir stellt lieber das Gute? Wir werden es feststellen, wenn das pralle Leben wieder tobt. 

 

Ganz am Anfang meiner Tagebuchschreiberei habe ich irgendwo geschrieben, dass wir uns in einigen Jahren sicher zurückerinnern werden an diese ruhige Zeit. Ich verabschiede mich jetzt schon fast ein wenig wehmütig von dieser klangvollen Stille. Ohne diesen Lockdown hätte ich mich nie so intensiv mit mir selbst beschäftigt, nie soviel hinterfragt und dadurch völlig neu bewertet, wäre nie soviel in der Natur rumgesessen wie jetzt, wäre ohne neue Eindrücke und ohne neue Inspiration geblieben. Habe liebe alte Freunde wiedergetroffen und andere neu kennengelernt. Mir hat die ganze Entschleunigung eigentlich recht gut getan und war somit ein emotionaler und intellektueller Gewinn.
Auf Kaffee und Kuchen in der Fußgängerzone freu ich mich trotzdem.

Nachtrag: habe keine einzige Wand neu gestrichen (...)

4. Mai 2020 montag

Tag 45 der Ausgangsbeschränkung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seit ich dieses Tagebuch schreibe und sogar eine kleine Stammleserschaft(DANKE!!!) zu haben scheine, guck ich mir tagsüber plötzlich selbst ganz anders bei meinem Leben zu. Immer mit der Frage im Kopf: Allmächt, was erzähl ich denn morgen bloß, eigentlich passiert ja nix, was irgendwie voll spannend oder ständig megalustig ist. Permanent ersatzweise rumphilosophieren und gscheit daherreden will man ja auch nicht. Aber dann: Irgendwas is immer...


Der Montag war also ein ganz normaler Arbeitstag, durchwachsenes Wetter, durchwachsene Laune, eine noch immer topsaubere Wohnung von der Aktion vom Sonntag.
Es klingelte gegen Nachmittag an der Tür und damit nahm ein typisches Mia-"Unheil" seinen Lauf. Es war der Paketbote, der mir ein Bild lieferte, welches ich aus spontaner Verliebtheit vor Wochen bestellt und schon komplett vergessen habe.

Ausgepackt, erneut verliebt und damit bewaffnet durch meine schon ziemlich ausdekorierte Wohnung getigert. Wo hinhängen? Schlafzimmer? Keine Wandfläche frei. Gang? Zu wenig Fläsche und Bild zu schade. Wohnzimmer? Fläche frei, aber farblich nicht zu der restlichen Dekofarbe passend. Esszimmer? Kein Platz. 
Dann gings los: Erst im Schlafzimmer die bestehende Wanddeko inklusive den Nägeln entfernt und da das Bild aufgehängt. Toll! Ich war zufrieden. Nun hatte ich aber ein anderes, großes Dekoelement übrig, welches auch untergebracht werden wollte.

Um das ganze abzukürzen: Geschlagene 3 Stunde tauschte ich gefühlt 20 Wanddekorationen im Kreis herum, jeweils mit Versetzung aller Nägel, was zur Folge hatte, dass ich den Kram dann nicht mehr so hängen konnte, wie es mir gefällt, sondern so, dass man am besten die Löcher und frühere Bleistiftmarkierungen verdecken konnte. 


Nachdem alles endlich hing mussten natürlich die Accessoires wie Kissen, Vasen, Blumenarrangements, Deckchen und Kerzenständerchen ebenfalls farblich und thematisch angepasst werden. Auch die Teppiche passten dann am Ende nicht mehr ins harmonische Gesamtfarbbild. 
Also angefangen, die Teppiche untereinander auszutauschen. (Sofa hochheben, Tisch wegschieben, Bank & Stühle.) 
Dann: Oh Gott, jetzt passen die Stuhlkissen nicht mehr zum neu drunter gelegten Teppich, da der ja vorher im Wohnzimmer war.

Und die Wand, ja die muss jetzt auch noch gestrichen werden, damit das ganze wieder ein Farbthema ergibt. 
Ab in den Keller, die Farbeimer holen, die ich am 2. Coronatag in weiser Voraussicht gekauft habe. Im Keller dann festgestellt: Scheiße, ich hab zwar Farbe, Malerkrepp, Eimer, Abtropfgitter, Malervliess und Pinselgriffe, aber das wichtigste fehlte: Die Farbrolle. Laut fluchend wieder in die Wohnung hoch und angezogen, bereit für den Baumarktnahkampf. Im selben Moment fing es draußen an zu duschen und ein Gewitter direkt über Mias Elfenbeinturm. 

Motivation mit einem Blitzschlag von 100 auf Null gesunken, wieder ausgezogen, wieder Jogginganzug angezogen, ziemlich ratlos in der völlig umgemodelten Wohnung gestanden und hab mich nicht getraut, mich hinzusetzen, denn:
Wenn man sich in exakt dieser Arbeitssituation hinsetzt, bleibt der Status Quo für immer so.

Also nochmal überlegt, wie das jetzt alles auch ohne neue Wandfarbe wieder perfekt werden könnte. Bilder wieder zurückgehängt (alte Nagellöcher genutzt), Kissen wieder neu arrangiert, Teppiche erneut ausgetauscht, die liegen nun wieder exakt so wie vorher, Vasen wieder rumgetragen, Schälchen und Kerzen wieder an den Ursprungsstandort und neues Bild in den Gang gestellt, neben die Farbeimer.

Quasi als Mahnung. Morgen Abend will ich dann in den Baumarkt, Farbroller holen. Wenn ich mich noch bewegen kann heißt das, denn die Möbelhochhebe-Teppichdrunterstopf-Aktion war schlimmer als jedes Fitnesstraining.

Fortsetzung folgt.

 
 
 
 
 

3. Mai 2020 sonntag

Tag 44 der Ausgangsbeschränkung

Heute habe ich sämtliche Geschwindigkeitsrekorde gebrochen. Leider nicht beim Sport, sondern im Wohnungsputzen.
Warum?
Ihr kennt das: Man sitzt Sonntag gemütlich ungewaschen in einer leicht schludrigen Wohnung rum.

In der Küche steht noch Geschirr

vom Samstag Abend, die Spuren deines Frühstück-Honigbrotes

kleben noch auf der Arbeitsfläche, deinem Esstisch und deinem Shirt. (ich habe es in den letzten 50 Jahren noch kein einziges Mal geschafft, Honigtoasts unfallfrei zu essen).

Der Wind hat zig Blütenblätter durch die Balkontür ins Zimmer geweht, im Schlafzimmer ist noch deutlich die Schlafmulde kombiniert mit Bettdeckengewurschtel zu sehen, 3 halbvolle Wasserflaschen und ein Joghurtbecherle am Nachttisch und im Bad fliegen auch noch vereinzelte blonde Haare rum, die sich vom Mutterschiff abgekoppelt haben. Nagellackfläschchen, T-Shirts, 20 Haargummis strategisch verteilt, Wäscheständer mit 5 tage alter brettharten Wäsche und so weiter. 


Die Grundreinigung und Wiederherstellung des Vorzeige-Zustandes habe ich eigentlich auf den Spätnachmittag verlegt, da kam die Meldung eines Lieblingsmannes, den ich lange nicht gesehen hatte und der meine neue Wohnung noch nicht kannte: "Ich komm in einer Stunde auf nen Kaffee vorbei"


PAAAAAAAAAANIK


Wie ein getunter Sportwagen war ich von Null auf 100 in 3 Sekunden und hab in genau 59 Minuten einfach alles geschafft. Während des Duschens das Bad

mitgeputzt (Glasduschwand!!!!) und entkalkt, komplette Bude gesaugt, Bettdecke drapiert, Boden gesaugt, "den Stuhl" von Klamotten befreit, Spülmaschine aus- und wieder eingeräumt, Honigklebespur entfernt, Balkon hergerichtet, Kisschen drapiert, mich selbst abgeklopft, geschminkt und ebenfalls drapiert und war mit dem Klingeln auf den Punkt fertig.
Ich sag ja: am effizientesten bin ich unter Druck und Stress.

Ladies, kennt ihr das: wenn ihr alles perfekt erledigt habt, möchte man eigentlich gar nicht mal mehr schnaufen in der eigenen Wohnung, damit alles möglichst lange so schön ordentlich bleibt? (vielleicht hab auch nur ich ganz alleine diesen Knall)

 

Jedenfalls Besuch war wieder weg, mein Fitnesstracker funkte SOS, zuwenig Schritte gegangen bis jetzt. Hoch motiviert machte ich mich auf den Weg in den Stadtpark, um meine 10.000 noch vollzukriegen. Es war einfach nicht zu schaffen. Schon nach den ersten 500m traf ich die ersten Bekannten, "musste" stehenbleiben und ein bißchen schwätzen. Nach 20 Minuten weiter im Programm und genau 200m weiter gekommen, nächster Haltepunkt Musik, da musste ich mich dann ne Stunde dazusetzen, alles andere wäre unhöflich gewesen Dann fest vorgenommen, auf dem Nachhauseweg endlich stramm durchzumarschieren. 
100m weit gekommen, liebe Freunde getroffen, wieder eine Stunde im

Gras gesessen und geschnattert. (ich liebe diese Stadt)

Jedenfalls hatte ich dann Hunger und lief direkt nach Hause (600m)

So wird das nie was mit dem Ausgleichssport...

Hoffentlich kommt mein Heimtrainer bald 

2. Mai 2020 samstag

Tag 43 der Ausgangsbeschränkung

Heute habe ich Corona vergessen und wurde sofort bestraft. Meinem üblichen Samstagstrott folgend, habe ich früh in der Bude rumgewurschtelt und bin dann gegen Mittag in meinen Lieblingssupermarkt in der Südstadt gefahren. 

 

Da war er wieder - der Wahnsinn.

Ich befand mich mitten im Lebensmittelkriegsgebiet beim Obst- & Gemüsenahkampf. Vermummt und mit meiner Abstandshaltewaffe (Einkaufswagen) kämpfte ich mich durch die engen Laufwege und verwinkelte Käsethekengassen.

 

 

 

 

Ich verfluchte mich für die Unbedachtheit, nicht schon morgens um 8 auf die Jagd gegangen zu sein, sondern zur "Nahrungsmittel-Hauptgefechtszeit" mittendrin zu stecken.

Als ich endlich alles hatte und mich durch die Zahlschleuse gerobbt hatte, fiel mir ein, dass ich noch ein mittleres Vermögen in der krisensicheren Pfandflaschenwährung im Kofferraum hatte. Die musste im Devisenautomaten unbedingt umgetauscht werden, sonst hätten meine Einkäufe nicht in den Kofferraum gepasst.

Also nochmal los in den Getränkemarkt gegenüber. 2 (in Worten: ZWEI) Pfandrückgabeautomaten in Betrieb für einen 500qm großen, knallvollen Getränkemarkt am Samstag. Meine nicht vorhandene Geduld stand also erneut vor einer großen Herausforderung. 

 

Vor mir eine komplette Familie mit 4jährigem Sohn, die ebenfalls Ihr Vermögen umtauschen wollten. Da heute alles zum "Event für Kids" gemacht werden muss, durfte natürlich der kleine Zwerg die (gefühlt 100) Flaschen in die Öffnung legen. Ich muss nicht extra erwähnen, dass dieses Unterfangen das fünffache der üblichen Zeit gekostet hat. Die Eltern - völlig unbeeindruckt von der Warteschlange, die ungelogen bis zum Parkplatz hinausreichte. "schau mal Jannik, die Flasche muss soooo rum da rein, der Papa machts dir mal gaaaaanz langsam vor, dann machst du das nach". Jannik schaute natürlich nicht zu, sondern suchte sich aus dem Pfandflaschenbeutel seine Lieblingspfandflasche raus, denn er wollte unbedingt zuerst die gelbe Limoflasche entsorgen, nicht die langweilige Wasserflasche. Natürlich durfte er das. 

 

Zum Glück sah man unter meinem Mundschutz nicht die aufgeblähten Nüstern und die zusammengepressten Lippen, ich war wirklich kurz vorm verbalen Amoklauf.

(Zu meiner Strafmilderung sei gesagt, dass ich zusätzlich noch extrem hungrig war und aufs Klo musste) Auch die Wartenden hinter mir scharrten schon ungeduldig mit den Hufen. Doch die vermutlich Doppelnamen-Bindestrich-veganlebende-Waldorfschulen-Dinkelbrot-Familie machte ungerührt langsam und kindgerecht spielerisch weiter. (ja, ich habe all meine Vorurteile in den letzten Satz gepackt)

Glücklicherweise ging es am anderen Pfandautomaten wesentlich schneller voran, hier waren die Profitrinker am Start, die im geübten 2-Armsystem ratz-fatz alles los wurden.

Als ich nach dieser Geduldsprobe endlich meinen Pfandbon in der Hand hatte, musste ich zwecks Auszahlung der 11,50 € noch einmal an der Kasse anstehen. Umgerechnet brachte mir die ganze Aktion einen Stundenlohn sehr weit unterhalb des Mindestlohnsatzes. Und das einen Tag nach dem Gewerkschaftsfeiertag.

 

Mit zusammengezwickten Beinen und hibbelnd und hobbelnd bin ich zurück ins Auto und hab trotz neuem Bußgeldkatalog nicht die 30km/h einhalten können - ihr wisst schon - wenn die Blase drückt, denn es gibt nämlich im gesamten, riesigen Einkaufsareal keine einzige Kundentoilette. (Danke für nichts)

 

Endlich zu Hause, endlich erleichtert, endlich wieder in die neuen Jogging-Klamotten und entsprechend friedlich und tiefenentspannt. Dabei ist mir dann erst mal der Spruch aufgefallen, der auf meinem neuen Shirt steht. (Siehe Foto) Den Rest des Nachmittages habe ich dann über diesen höchst anspruchsvollen Philosophie-Satz nachgedacht. Ziemlich spannend für so ein Billigshirt.

In diesem Sinne - niemals Samstag hungrig nach 3 Tassen Kaffee einkaufen gehen!

1. Mai 2020 Freitag

Tag 42 der Ausgangsbeschränkung

 

Feiertag, Corona UND schlechtes Wetter - das ist schon ne Herausforderung an die Tagesgestaltungskreativität.

Es ist ja seit Wochen alles extrem geputzt, gewaschen und sortiert. Zum Glück war der Kühlschrank leer (Selbsterziehung). 
Also gings weiter mit der Selbstoptimierung. 

 

Mein aktuelles Projekt ist die Entfernung meines leichten Permanent-Make-Ups an den Augenbrauen. Irgendwann vor vielen Jahren hab ich mal die Kontur nachstechen lassen, danach alle paar Jahre noch einige Male nachgebessert, rumgebessert also verschlimmbessert. (Zum Glück nicht diese megabreiten dunklen Eddingbalken machen lassen)
Nach und nach verschwimmt ja fast jede Tätowierung, verblasst und verfärbt etwas. Jedenfalls soll der Scheiß jetzt weg. Nachdem ich im Netz recherchiert habe,

habe ich mich für Entfernung "do it yourself" mit hochkonzentrierter Fruchtsäure entschieden. Ihr ahnt sicher schon, was passiert, wenn man Säure und hochkonzentriert liest...


Jedenfalls mach ich das seit ein paar Tagen und brenne mir selbst - ähnlich tapfer wie Rambo im Dschungel wenn er sich selbst ne Patrone ausm Bauch schneidet - die Farbe aus dem Gesicht.

Info für ebenfalls betroffene:

es funktioniert sehr gut, wenn man nicht allzu empfindlich ist.


Danach wurde noch der gesamte Körper epiliert und exzessive Fußpflege betrieben. 
Kann ja sein, dass die Bikini-Saison doch noch kommt. 


Das Ende vom Lied war, dass ich überall megaempfindliche, knallrote Haut hatte und mir die Füße wehtaten, weil ich es -wie immer - übertrieben habe.


Wieso macht man als Frau eigentlich immer so einen scheiß und operiert dauernd an sich rum??? Und wieso sieht man danach nie besser aus als vorher?
Manchmal beneide ich die Männer, nicht nur weil sie im stehen pinkeln können, sondern weil sie sich duschen, danach vorm Spiegel 3x zufrieden auf die Wampe klopfen, anziehen und nach 10 Minuten fertig sind. So mach ich das morgen auch mal.

In diesem Sinne:
bleibt mir alle schön.

 
 
 
 
 

30. April 2020 Donnerstag

Tag 41 der Ausgangsbeschränkung

 

Seit heute habe ich enorme Auftriebsstimmung und große Hoffnung, dass die Ausgangsbeschränkungen bald auf ein Minimalmaß heruntergesetzt werden und dass das gesellschaftliche Leben mit Gastro, Fitness und Kultur in den nächsten 2-3 Wochen wieder hochgefahren wird. Das tiefe Tal fühlt sich für mich durchschritten an, der Aufstieg steht bevor. (Zwangsoptimistin)


Jetzt wird´s also langsam Zeit, sich selbst optisch auch wieder hochzufahren und "ausgehfein" zu machen, trotz toller neuer Schlabberhosen. 
Ich fürchte, mein Körper hat sich von der Konsistenz her komplett meinen Jogginghosen angepasst. Will heißen, da wo vor Corona gut trainierte Muskulatur war, ist jetzt irgendwie sowas naja, weiches. Mein Körper kommt mir vor, wie das was ich gern esse - Quarktäschchen und Honigbrot. Ich bin irgendwie ein bißchen Corona-schwanger, dauernd Lust auf irgendwas zu essen.
Der bestellte Hometrainer ist erst Ende Mai lieferbar, ich kann also gar nix dafür, dass ich keinen Sport machen kann!!!

Jedenfalls hab ich mir vorgenommen, ab jetzt wieder konsequenter auf die Kalorienzufuhr und Bewegung zu achten. (Wo ist eigentlich mein Fitnesstracker?)
Tag 1 der Coronaausstiegsdiät lief dann so:
Zum Frühstück brachte Corona-Sozialpartner eine riesige Nussschnecke mit. Okay, die ess ich noch, dafür aber dann den restlichen Tag nix und Abend nur einen Salat. 
Nachmittags ein kurzer haushaltsferner-Kontakt-Besuch bei der besten Freundin, die ich wochenlang nicht gesehen habe. Geplant war, dorthin mit dem Fahrrad zu fahren (Sport!!!) Leider fiel das aus wegen frisch geföhnter Haare in Kombination mit Regenwolken, also bewegungslos mit dem Auto gefahren. 


Beste Freundin hat mir dann beim Kaffee einen ganz neuen tollen Zuckerersatz empfohlen, keine Kalorien und keine Auswirkung auf den Insulinspiegel. Während wir darüber sprachen, hab ich ein großes Stück Bienenstich gegessen. (...)
Als ich wieder zu Hause war, hab ich vor lauter pappigem Süßkram erst mal was Herzhaftes gebraucht. Geht doch nix über ein richtiges Wurschtbrot mit Käse.

 

Ich sollte meinen Ernährungs- & Sportplan vielleicht nochmal neu überdenken und an meiner Konsequenz arbeiten. Aber morgen, also ab morgen fang ich ganz sicher an damit...

 
 
 
 
 

29. April 2020 mittwoch

Tag 40 der Ausgangsbeschränkung

Nach anfänglichem Fremdeln mit den derzeit vorherrschenden neuen Shoppingbedingungen hab ich es dann doch durchgezogen und bin in alte Muster verfallen:

Frühjahrsmode shoppen - Corona-modifiziert. 

 

Da in jedem Laden nun eine Einkaufskorbpflicht herrscht, um die Anzahl der im Laden befindlichen Kunden überblicken zu können, bin ich also wie Rotkäppchen durch einen U-800qm-Laden geschlendert.

 

Diese Einkaufskörbe haben ja auch eine Art psychologische Wirkung.

Peinlich, sich ne Stunde im Laden aufzuhalten, also eine zugelassene-Kundenanzahl-Ressource zu verschwenden UND das mit leerem Einkaufskorb. 
Also will man ja schon fast anstandshalber etwas in den Korb legen.

Jedenfalls hab ich zugeschlagen. Ich fand eine erfrischende Farbauswahl in gelb, rosa, getigert, weiß-gold, Khaki-gold, lebensfrohes schwarz und mein Korb

war bald voll.


Nicht mit hübschen Sommerkleidchen oder schicken Jeans, neeeee ich habe ein Megasortiment an Jogginghosen und Schlappershirts gekauft. Wozu brauch ich ein Kleidchen? Um dem Postboten die Tür zu öffnen? Wer sitzt schon overdressed und topgekleidet daheim vorm Laptop? (Ausnahme Videokonferenzen)

 

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt Jogginghosen und Sweatshirts gekauft habe - und das war das Problem. Meine "Zuhause-rum-Klamotten" waren alle extrem beschämend. Meist mit Spaghettisoßenflecken auf Brusthöhe, die beim Waschen nicht mehr rausgehen, alte Haarfärbe-Flecken oder aber Spuren meiner diversen Wandmalereien und Umzüge auf den Hosen. Aber weil die eben so gemütlich und gut eingelebt waren, hab ich diese Teile nie weggeschmissen, weil - naja für allein daheim rum gehen die ja noch. *schäm

 

Gestern alle Sabber- & Klecker-Shirts endlich dann (bis auf ein Set) weggeschmissen und ab jetzt mit einen sauberen Schlurchi-Look am Start. Sozusagen die Corona-Homewear-Collection. Aus Angst, die neue weiße Jogginghose mit meinem Blaubeersmoothie einzusauen, hab ich vorsichtshalber nochmal das alte Shirt angezogen. (...)

 

Der arme Karl Lagerfeld muss die Jogginghosen-Verwahrlosung der breiten Masse zum Glück ja nicht mehr miterleben....

 

Bitte lieber Gott, gib mir ganz bald wieder einen Anlass, mir ein richtig heißes Kleid kaufen zu "müssen"!!!

 

In diesem Sinne:
Sauber bleiben.

28. April 2020 DIENStag

Tag 39 der Ausgangsbeschränkung

 

Tage, an denen der Ministerpräsident wieder Neuigkeiten mittels Pressekonferenz an seine bajuwarischen Untertanen weitergibt, sind immer die schlimmsten. 


Beruflich und auch nebenberuflich: auf sämtlichen SocialMedia-Kanälen quillen die Postfächer und Messenger über.

Zu 99% ausschließlich Klagen, Beschwerden, Verschwörungstheorien, Beschimpfungen und Belehrungen.

Da muss man schon ein ganzes dickes Fell haben, um nicht irgendwann die Contenance zu verlieren.

 

Ich weiß nicht, wie ein Großteil der Facebook-Kommentarspalten-Gemeinde es geschafft hat, innerhalb von 4 Wochen ein komplettes Virologie- & Medizinstudium, Volkswirtschaftslehrestudium, Politikwissenschaftsstudium und Jurastudium erfolgreich zu absolvieren, ich selbst hab in den letzten Wochen nicht mal meine Steuererklärung geschafft.

Urplötzlich ist jeder Fachmann geworden, ich fühle mich schon ganz minderbemittelt.

 

Ein weiteres Phänomen ist, dass sich Menschen "vor Zeugen" gar nicht mehr niesen oder husten trauen, ohne sofort wortreich zu versichern, dass dies nur eine Pollenallergie oder harmlose Erkältung ist. So ängstlich sind wir mittlerweile geworden, dass man Angst hat, sofort für einen bösen Corona-Wirt gehalten zu werden. 

 

Das nächste ungute Phänomen der aktuellen Zeit ist das massiv auftretende Denunziantentum. Ununterbrochen wird mit dem Finger auf das vermeintliche Fehlverhalten der jeweilig anderen gezeigt, sogar aus dem Hinterhalt Fotos angefertigt und an diverse Amtsträger und Institutionen mit Petztext geschickt, natürlich besonders ausgeprägt auf Facebook. 

Da wird der Nachbar angeschwärzt, der auf seinem Balkon ein Bier mit jemandem trinkt, die 4 Jugendlichen, die sich im Park getroffen haben, die da und der da, die natürlich alle, alles falsch machen, dadurch am ganzen Übel alleinschuldig sind und die man deshalb am liebsten am Pranger sehen würde, nackt ausgepeitscht und geteert und gefedert. 
(Klar, dass man selbst natürlich unfehlbar ist) 


Die Idee, diese ganzen "Schwerverbrecher" einfach freundlich persönlich anzusprechen, ist den Denunzianten wohl zu verwegen. Mut hat man offenbar nur vor der Tastatur und per Mausklick.

 

Irgendwer hat irgendwo geschrieben, dass eine Katastrophe bei den Menschen das beste oder das schlechteste zum Vorschein bringt. Das ist richtig und gleichzeitig auch ein wenig beängstigend.

 

Mein Lichtblick heute: 
dass eine liebe Freundin in der hochheiligen Lorenzkirche für mich ein kleines Kerzle angezündet hat 

Auf die Hoffnung - und auf das Gute in den Menschen.
bleibt stabil!

27. April 2020 Montag

Tag 38 der Ausgangsbeschränkung

Montage sind naturgemäß (gottseidank) arbeitsintensiv und somit abwechslungsreich und die Zeit verfliegt. Da man aber aufgrund des zwangsentschleunigten Lebensstils ziemlich tiefenentspannt ist, empfindet man alles gar nicht mehr so stressig. Zumindest gehts mir so.

 

Da heute ja der erste Tag der Ladenöffnungen (U-800qm) war, bin ich auf dem Rückweg vom Büro shoppingwillig durch die Stadt gelaufen. 
Geht´s Euch auch so? Man dürfte ja jetzt einkaufen, verliert aber die Motivation, wenn man vor jedem Laden erst mal 15-30 Minuten anstehen muß? Denn während der langweiligen Anstehzeit überlegt man sich: Brauch ich das jetzt eigentlich wirklich, ist es so nötig, dass ich dafür überall blöd rumstehe, vor der Tür, vor der Umkleide, an der Kasse? Was, wenn ich ne halbe Stunde anstehe und das gewünschte dann gar nicht finde und im nächsten Laden dafür nochmal anstehen muss?

 

Während ich also mit diesen Gedanken noch vor der Ladentür ausharre, entscheide ich, dass ich es dann doch lieber sein lasse. Ich vermute, ähnlich geht es vielen Leuten in der Fußgängerzone. Spontankäufe finden nicht statt, entspanntes shoppen und bummeln ebenfalls nicht. Ich befürchte, der Handel wird von den paar kaufenden Kunden pro Tag nicht wirklich (weiter)leben können.
Also selbst wenn man gewillt ist, den Fürther Handel zu unterstützen, es ist nur unter größten Umständen und Geduldsübungen möglich. Und Geduld ist eine meiner am schwächsten ausgeprägten Eigenschaften. Aber vielleicht gewöhnt man sich auch daran noch.

 

Apropos gewöhnen:
Nach 37 Tagen Partyentzug stelle ich fest, dass ich mich wirklich daran gewöhnt habe, reduzierter zu leben. Auch was die Menschen um mich herum angeht. Da man es ja mit den Kontaktpersonen in seiner Nähe und während des legalen Ausgangs nicht übertreiben darf und nur die berühmte "eine haushaltsferne Kontaktperson" erlaubt ist, überlegt man sich - ähnlich wie beim shoppen - wen/was man wirklich braucht, bzw. wen man wirklich sehen möchte, denn man muss sich ja für eine/n entscheiden. 
Man hinterfragt gedanklich viel mehr, erfährt dabei viel Neues über sich selbst und die Beziehungen und Menschen um einen herum. 


Und - Überraschung - selbst in Coronazeiten ist es möglich, einen ganz neuen Menschen kennenzulernen, der einem ein richtig gutes Gefühl im Bauch und im Kopf macht. 

26. April 2020 sonntag

Tag 37 der Ausgangsbeschränkung

 

Ich fürchte, auch heute gibt es von mir für Euch nichts wesentlich spannendes oder gar erheiterndes zu berichten, denn gerade die Sonntage tröpfeln recht ereignislos und träge vor sich hin.

 

Meinen üblichen Besuch im üblich überfüllten Stadtpark habe ich abgehalten, diesmal ohne Aperol, dafür mit einem Obstsalat to go.

Und Highlight: wieder versüßt mit einem meiner Lieblingssongs "Tears in Heaven" vom Guitarman. 

 

Apropos versüßt:
Meine hoffentlich karmarelevante gute Tat des Tages war die Wiederbelebung einer halbtoten Biene in meiner Küche. Wenn ich schon nicht kochen kann, so bin ich doch die Meisterin des Wiederaufbaus, in diesen Fall mit Zuckerwasser. (Bisher das einizige Lebewesen, dem mein Essen zu schmecken scheint)

 

Das Leben in meiner Innenhofgemeinde nimmt endlich italienische Züge an, mittlerweile sprechen meine Nachbarn sogar von Balkon zu Balkon mit mir, sympathische Menschen auf dem selben stoischen Duldungslevel wie ich offensichtlich.

 

Habe meine Goschendäschla frisch gewaschen und bin vorbereitet für einen morgigen Versuch, in Coronazeiten ein paar Läden zu besuchen und ins Büro zu gehen. Ich hoffe für uns alle, der morgige Tag ist ereignisreicher.
Bleibt stabil!

25. April 2020 samstag

Tag 36 der Ausgangsbeschränkung

 

Ein wunderbarer Samstag, Sonne satt (Mia hungrig). 
Ab in die City auf den Markt und den samstäglichen Einkauf erledigen. Man trifft sich zufällig an den Ständen und plaudert bissle, alles ganz normal, wenn da nicht die Skurilitäten der vorherrschenden Vorschriften überall zu beobachten wären.
Eine ältere Dame mit Maske muss niesen, zieht die Maske danach runter ans Kinn, schnäuzt sich herzhaft, zieht die Maske wieder hoch und steckt das Taschentuch samts Hände wieder in ihre Jackentasche. Menschen halten beim Anstehen am Gemüsestand brav Abstand, beugen sich jedoch, wenn Sie dran sind voll über die ganze Obstauswahl und knatschen alle Tomaten einmal an und durch, bis sie die vermeintlich frischeste finden. 

Ich bemerke an mir selbst, dass sich meine latent eh vorhandene Monk-Attitüde mehr und mehr verstärkt und ich hasse das an mir!

Die Supermärkte haben abgezählte Einkaufswägen und können so sicherstellen, dass nie mehr als die Höchstzahl der erlaubten Kunden gleichzeitig im Laden sind. Auch hier, das Anstehen mit Sicherheitsabstand haben wir wohl gelernt, doch leider ist die Kasse nebenan ebenfalls geöffnet und so nah, dass man 20cm-breit nebeneinander stehen muß. Es geht nicht anders.
Wer wirklich brav alle Regeln einhalten wollen würde, müsste wie ein Gummiball ununterbrochen vor und zurückspringen, wie ein Abwehrspieler alles um sich herum dauernd im Auge behalten können und immer 5 Ausweichquadratmeter um sich herum freikämpfen. 
Was ich damit sagen will: 
es ist einfach nicht zu schaffen. Und da hat niemand Schuld, nicht die Laden- oder Marktbetreiber, nicht die Bürger, nicht die Kinder, die trotz allem verständlicherweise quer durchrennen und auch nicht die Politik, die händeringend versucht, uns alle vor dem Schlimmsten zu bewahren. 
Wir sind Menschen, keine programmierbaren Maschinen. Zum Glück!

Was mir in diesen Zeiten am allermeisten fehlt? 
Nicht das Shoppen, auch nicht der Friseur, sogar auf Partys verzichte ich halbwegs einsichtig, aber was mir wirklich, wirklich fehlt ist: 

UNBESCHWERTHEIT!

Ich möchte spontan das Haus verlassen, OHNE nachzudenken ob ich Maske, Handdesinfektion und zur Not Handschuhe dabei habe. Möchte mich irgendwo aufhalten können, OHNE mich permanent irgendwie schuldig oder regelbrechend zu fühlen. Ich möchte Bekannten und Freunden draussen nicht paranoid ausweichen müssen, wenn sie mir begegnen, sondern mich freuen und zusammensetzen dürfen.

Bei einem Treffen im Park mit einer lieben Freundin trauten wir uns nicht hinsetzen, weil man einfach zu viele Menschen trifft, die man kennt und mag und sich eigentlich freut, aber man Angst hat, man wäre dann eine "illegale Gruppe". Also machten wir einen Spaziergang. 

Am Ende unseres haushaltsfernen-eine-Kontaktperson-Treffens erlebten wir das Highlight der Tages. Musik. Wir hörten eine Gitarre und eine Stimme. 
Wie ferngesteuert haben wir den Quell der Freude ausfindig gemacht und mit 20m Sicherheitsabstand einem einsam übenden, sehr guten Musiker auf einer Bank hinter der Kirche zugehört. Kontaktperson hat sogar 2 Minuten auf der Wiese getanzt, während ich glückselig am Boden saß. 
5 Minuten ein kleines Stück vom Glück. Danke dafür, Guitarman.

24. April 2020 freitag

Tag 35 der Ausgangsbeschränkung

Heute hatte ich ein "Date" mit F1, auf das ich mich schon die ganze Woche gefreut hatte. Vermutlich das sicherste Date des Jahres, denn F1 hat das "böse C" bereits hinter sich und ist nachweislich wieder negativ getestet.

Soweit ist es 2020 also schon gekommen, dass man sicherheitshalber beim Date eine Kopie seines Bescheids vom Gesundheitsamt dabei hat. Komisch. 

 

Jedenfalls waren wir eigentlich zum Waldgassi verabredet, saßen dann aber wie ein altes Ehepaar 2 Stunden auf nem Bänkle im Wald und updateten die letzten 8 Jahre, in welchen wir uns nicht gesehen hatten.

Schön zu entdecken, dass man sich Jahre nicht sehen kann und sich trotzdem sofort wieder so vertraut ist, wie die 20 Jahre vorher. Zum Glück hatten wir ne Ballschleuder dabei, sonst wär dem Hundi vermutlich stinklangweilig gewesen.

 

Erstaunlich finde ich immer wieder, wenn ich mich mit Freunden aus längst vergangenen Zeiten treffe, wie viel aus seinem eigenen Leben man selbst vergisst, bzw. wie weit hinten Erinnerungen auf der celebralen Festplatte abgespeichert sein können. Schon ein schräges Gefühl, wenn Deine Freunde teilweise noch viel mehr über Dich und damalige Erlebnisse wissen, als Du selbst.

Ist das ne Demenzvorstufe, Oberflächlichkeit oder einfach ein zu vollgestopftes Leben? Alles miteinander vermutlich.

 

Jedenfalls wars ein sehr schöner Nachmittag der mal voll mit Geschichten ohne das "böse C" war und das hervorgerufene Bewusstsein, dass Erinnerungen was ganz wunderbares sind und das eigentlich JEDE ZEIT zu einer "weißt Du noch damals, als wir..." werden wird.

Deshalb: HEUTE sind die guten alten Zeiten, an die wir uns in 10 Jahren wehmütig zurückerinnern werden.

So sei es! Bleibt stabil!

23. April 2020 donnerstag

Tag 34 der Ausgangsbeschränkung

gesellschaftliches Highlight des Tages: ein Zahnarzttermin.
Danach kontaktloses business at usual im Büro und Homeoffice. Die neue Normalität eben. Immer häufiger vergehen auch mal einige Stunden, ohne andauernde Corona-Diskussionen. Zumindest solange man Radio und Fernseher auslässt.
Noch immer bin ich genervt von unserer Medienlandschaft, die scheinbar keine andere Themen mehr aufgreift und ununterbrochen wie eine Umwälzanlage alles bekannte ständig wieder von vorne bis hinten durchkaut.

Abends beim Einkaufen an der Supermarktschlange einen attraktiv wirkenden Mann gesehen, kurz hingeschaut und angelächelt, der Mann null reagiert.

 

MOMENT MAL.... wie flirtet man eigentlich mit Mund-Nasen-Bedeckung?

Ich meine, da kannste ja mit Deinem teuer bezahlten Hollywood-zahnarztgeprüften Charmebomben-Lächeln grinsen soviel Du willst, das Gegenüber sieht das ja nicht. Darf man zum anlächeln die Maske runterziehen? 


Und generell betrachtet? Vielleicht war der Mann ja auch gar nicht so attraktiv, weil sich vielleicht unter dessen Maske fünf Zahnlücken, schwarze Stummelzähne, Mundgeruch und ne Knollennase verbergen? 
Wenn man den Gedanken weiterspinnt: wie ginge das dann weiter? Man kann ja niemanden etwas verführerisches rüberflüstern, denn durch die 2 Lagen Sabberschutz ist es ein unverständliches und gedämpftes Genuschel.

Wenn ich also im Ernstfall einem Objekt meiner zukünftigen Begierde zuhauchen wollen würde: "möchtest du meine 2. haushaltsferne Kontaktperson to go werden?" würde der kein Wort verstehen und wahrscheinlich nur mit "hä?" antworten. Dann müsste ich diesen ohnehin schon wenig erotischen Satz laut und deutlich rufen, was dem ganzen den Charme eines Marschbefehls geben würde.

 

Okay, für Flirten in Zeiten von Corona muss ich mir eine neue Strategie ausdenken oder einfach mit dem Bestandsmaterial arbeiten 

Übrigens habe ich erst am 15. Mai einen Friseurtermin bekommen, optisch würde sich derzeit wohl eher ein arbeitsloser, wehmütiger Pilot zu mir hingezogen fühlen und bis 15. Mai sogar bei mir landen können.

22. April 2020 mittwoch

Tag 33 der Ausgangsbeschränkung

Heute war ein ausgesprochen kommunikativer Tag, im Büro und auch privat. Das hat mein leichtes Frustrationstief der letzten beiden Tage deutlich ausgeglichen und meine Laune ist wieder wesentlich fröhlicher.

 

Auf dem Heimweg vom Büro am Fürther Markt eine Menge Bekannte getroffen und bissle getratscht und geblödelt, fast wie in vor-C-Zeiten. Gegen Spätnachmittag dann noch Besuch einer legalen, haushaltsfernen Kontaktperson bekommen und soviel gequatscht und gekichert, wie in den letzten 4 Wochen nicht. 

 

 

Da merkt man dann erst mal so richtig, wie genau diese Abwechslung und Austausch fehlt. Auch wenn die Sitzordnung zu Hause von außen betrachtet merkwürdig distanziert wirkt, wie eine Sprechstunde beim Psychologen.

Einer auf der Couch, der andere im entfernteren Sessel.

Aber ein bißchen war das ja vielleicht auch so eine Sitzung, was die positive Wirkung betrifft. Die Zeit ist jedenfalls verflogen und egal mit wem man spricht, es ist beruhigend, dass wirklich jeder so seine Problemchen mit der aktuellen Situation hat.

 

Früher haben wir uns unsere neuen Kleidchen gezeigt, heute zeigen wir uns kichernd gegenseitig unsere neuen Gesichtsmasken. Was für eine schräge Zeit 
Aktuell habe ich wieder große Hoffnung, dass sich die Lage bald entspannen wird und ein etwas freieres Leben draußen bald wieder möglich sein wird.

Wie jedes Jahr im Frühling habe ich mir übrigens wieder Flieder geklaut. Das heutige Foto davon ist O1 gewidmet, weil ich genau weiß, was er dazu für einen Satz sagen würde, wenn er hier wäre und den Strauß sähe.

Und ich würde antworten: Ja, ich weiß.  
Auch das eine liebgewonnene "Tradition".

21. April 2020 dienstag

Tag 32 der Ausgangsbeschränkung

ursprünglich dachte ich, ich schreib 3-5 nette kleine Textchen für die Facebookerinnerungsfunktion in den nächsten Jahren, weil für ein paar Tage alles anders ist und das vielleicht ganz witzig sein könnte.

 

Mittlerweile sieht es wohl eher so aus, als würde das ein 300-seitiger Fortsetzungsroman werden. Na immerhin gibt mir der allmorgendliche Textsetzungstermin eine gewisse Struktur.

 

Apropos Struktur: Heute hatte ich mal wieder einen Grund mich morgens schon halbwegs vernünftig herzurichten, denn ich habe das Projekt "blinde Küchenfenster auf 4m Höhe säubern" endlich professionell lösen lassen. Ich hatte einen amtlichen Fensterputzer im Haus, der den 6 Jahre alten Schmutz meiner Vormieter in luftiger Höhe entfernt hat.
Jetzt knallt die Sonne von oben so brutal rein, dass meine anderen, selbstgeputzten Fenster noch fürchterlicher verschmiert erscheinen. Irgendwas is immer. (Habe gelernt, dass man Fenster nur mit kaltem Wasser putzen soll um Schmierer zu vermeiden)

 

Über Langeweile lässt sich heute auch nicht klagen, arbeitstechnisch bin ich ziemlich ausgelastet. Gegen Nachmittag ein kleines Sozialkontakt-Update mit TAB1 und PB1 mit Kaffee to go im Stadtpark.

Danach dann noch meine 10km Radfahren im Stadtpark/Wiesengrund abgeleistet.


Hier zeigt sich die Absurdität der aktuellen Abstands-Situation:

Sind in Läden mit 800qm unter gestrengem Blick eines Türstehers nur 40 Personen erlaubt, tummeln sich auf 1,20m breiten Fuß-& Radwegen 10 Menschen auf mobilen 10qm. Alles drängt verständlicherweise in die Parks und Flußauen. Radfahrer, Inliner, Jogger, Spaziergänger, Familien mit Kinderwägen und Kleinkinder auf Minirädern. Alle müssen in unterschiedlichen Geschwindigkeiten auf engstem Raum aneinander vorbei. Glückliche, fröhliche Gesichter? Fehlanzeige. Die einen maulen, dass sie mit dem Fahrrad nicht zügig fahren können, die anderen maulen, weil sie dauernd zur Seite springen müssen, irgendwie haben aber alle Recht.

 

Ich persönlich glaube, dass sich dieser Zustand mit den aktuellen Regelungen psychisch und physisch in der Bevölkerung nicht mehr lange durchführen und aufrechterhalten lässt. Gar nicht mal wegen fehlender Partys und Großveranstaltungen, sondern hauptsächlich wegen des Bewegungsdrangs der Menschen.

Ja wo sollen denn alle hin, wenn jetzt wieder so ein heißer Sommer kommt? bei 30 Grad Tag für Tag nahezu bewegungslos daheim sitzen und eine Stunde Freigang im Park? Das sind schon verschärfte Haftbedingungen. Wir brauchen Sport, Schwimmbäder, Gastronomie, Außenbestuhlung und Austausch. Kinder brauchen Spielplätze und vor allem: andere Kinder.

 

Wie das trotz Corona alles wieder verantwortungsvoll gehen soll: keine Ahnung.

Die Verantwortung solcher Entscheidungen möchte ich nicht tragen wollen.

Aber ob die Bevölkerung das noch lange aushält und mitmacht?

Ich glaube nicht.
Heute leider keine Pointe.

20. April 2020 montag

Tag 31 der Ausgangsbeschränkung

 

 

Montage fühlen sich vom Arbeitspensum und Ablauf fast wie "vor-Corona"-Tage an. Wenn nicht unser MPS1 uns alle wieder mit einer Regierungserklärung "erfreut" hätte, wäre es vermutlich ein recht schöner Tag geworden. 
Ab nächster Woche gilt also Maskenpflicht auch in Bayern, Nase & Mund müssen bedeckt sein, wenn man in Läden geht oder öffentliche Verkehrsmittel benutzt. 
Keiner weiß zu 100% ob das sinnvoll ist, allerdings ist zu 100% sicher, dass es keinesfalls schaden kann. Kaum wurde die "frohe Botschaft" verkündet, zog sich ein Sturm der Entrüstung und des Wehklagens durch die bajuwarische SocialMedia-Kommentarspalten-Landschaft. 


Von den üblichen Verschwörungstheoretikern, Hobbyvirologen und allwissenden YouTube-Politiksofagelehrten abgesehen, tun 80% der Online-Gemeinde so, als hätte man von ihnen verlangt, 100 4-blättrige Kleeblätter zu finden, die dann mit 3 Tropfen Blut einer heiligen Jungfrau vermischt werden müssen, das ganze dann bei Vollmond mit einem Silbernen Löffel zu verrühren und diesen Mix 3x täglich intravenös zu sich zu nehmen.

 

Erwachsene Menschen im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte, ausgestattet mit Smartphones und einem voll eingerichteten, modernen Haushalt sind im Jahr 2020 offenbar nicht selbständig in der Lage, für sich ein Stück Baumwollstoff zu organisieren, womit sich Mund und Nase bedecken lassen.

Und wenns nur ein altes Geschirrtuch mit Haargummi ist.

Da wird endlos geheult, der Staat müsse das ja wohl anliefern und kostenlos zur Verfügung stellen, wenn er dies schon verordnet. Nein! Muss er nicht. Als die Helmpflicht eingeführt wurde, gab´s auch nicht für jeden Motorradfahrer einen gratis Helm frei Haus. 

 

Mich hat das ganze Diskutieren dann so gestresst und genervt, dass ich weg vom Laptop wollte und mich mit Corona-Sozial-Partner TAB1 in der Stadt verabredet habe. 
Auf den ersten Blick hätte man meinen können, alles wäre dort wie immer. 
Bei genauerem Hinsehen sah man bereits viele Maskenträger und die Einkaufsstraße war ebenfalls sehr belebt. 


Wenn man dort aber zufällig Bekannte trifft, spürt man dann doch die Veränderung, denn jeder ist irgendwie unsicher, wie er den anderen begrüßen soll. Ist Ellbogen nicht schon zu nah? Mit Füßen antippen sieht irgendwie aus, als wolle man dem anderen gleich einen Tritt geben, Ghettofaust ist eh assi. Also ohne Begrüßungseiertanz. 
Die nächste Frage die sich stellt: darf man sich kurz zum Small Talk dazustellen oder ist man dann schon eine strafbare Gruppe? Alles wenig kommunikativ und sozial unbefriedigend. Es gibt zwar überall jetzt Kaffee oder essen to go, aber natürlich nix zum hinsetzen. Jaja, heißt ja to go und nicht to sit. Alles in allem ebenfalls maximal unbefriedigend. 

 

Nach einigen Minuten haben wir das dann auch sein lassen und ich bin frustriert ins Mädchenparadies (=Drogeriemarkt). 

Da gibts jetzt neuerdings ne härtere Tür als in der Berliner Clubszene. Ein Türsteher im dunklen Anzug mit schwarzen Gummihandschuhen verwehrt dir den Eintritt, man darf erst rein, wenn aus dem Markt wieder eine Person rauskommt. Alles klar. Da sich in der Fußgängerzone keine richtige Schlange bilden kann, stehen die Wartenden unsortiert im Kreis vor dem Paradies, was alsbald zu Streitereien führt, wer denn zuerst da war. 

Als ich endlich drin war, war ich wieder ziemlich unentspannt, weil ich nicht in Ruhe vor mich hinkruscheln konnte, wusste ich doch, dass ich den Kundenfluss damit unnötig verzögere. Also tatsächlich schnell das Nötigste gekauft und entnervt wieder nach Hause.

 

Eins muss man Corona lassen - es schont den Kontostand.
Ihr merkt schon, das war wirklich nicht mein Tag und ich bin froh, dass er vorbei ist.

19. April 2020 sonntag

Tag 30 der Ausgangsbeschränkung

Wahnsinn, schon 30 Tage!!!

Der Sonntag war wie immer, noch entschleunigter als alle anderen Tage ohnhin schon. In einem Anfall von Arbeitseifer habe ich alle meine Fenster geputzt. Als 2 Stunden später die Sonne anders stand, war zu sehen, dass ich mir die Arbeit auch hätte sparen können, denn irgendwie war zwar der gelbe Blütenstaub weg,

dafür alles voller Streifen und Schmierer. Naja, der Wille war erkennbar. 
Bitte keine Fensterputztipps in den Kommentaren 

Wie jeden Sonntag bin ich nachmittags zum Kind geradelt, ihr wisst schon HardHÖHE! Also in echt mit Fahhrad, nicht E-Roller!

Hab dabei auch die Mund- & Fliegenschutzmaske getragen und dadurch wegen Sauerstoffmangels auf der Hälfte des Berges schon Sternle gesehen.

Vielleicht sollte ich für die nächste Maske einen luftdurchlässigeren Stoff nehmen,

was jedoch die Wirkung wieder ad absurdum führt.

 

Was mich derzeit entsetzlich nervt - noch mehr als sonst - ist die Medienlandschaft, sowohl online als auch im TV. Gerade auf Facebook, pro Stunde gefühlt 10 Artikel,  die als +++ EILmeldung +++ deklariert sind, aber keinerlei Meldung enthalten.

Pro Tag 50 Artikel mit reißerischen Thesen + Fragezeichen in den Überschriften, die beim oberflächlichen Schlagzeilen-Leser nur Panik, Verwirrung oder bestenfalls Abstumpfung hervorrufen.

(Die Artikel selbst erhalten zu 99% null neue Tatsachen, kaum sachdienliche Information, sondern hauptsächlich künstlich konstruierte Fragen, die sich der jeweilige Autor stellt) 

 

Wenn man aus den sozialen Medien geflüchtet ist und sich abends vor den Fernseher setzt, gehts da gleich weiter: 10 Corona Sondersendungen, 5 Corona-Talkrunden, alle wälzen den gleichen Brei stundenlang durch, neue Erkenntnisse oder Mehrwert für den Zuschauer: NULL.

Da lob ich mir schon fast das Assi-TV wie RTL2, die machen stur ihr Standard Kackprogramm weiter wie immer. Ich hätte nicht gedacht, dass ich Bauer sucht Frau mal als totale Erholung empfinden würde. Ich brauch dringend ne Medienpause...

18. April 2020 samstag

Tag 29 der Ausgangsbeschränkung

 

Erfolgsmeldung:

Habe es geschafft, 2 Goschendäschla zu nähen. Das hat einen halben Nachmittag gekostet und zig zerschnittene Blusen und Hemden. Ob das besonders effizient oder wirtschaftlich ist, wage ich zu bezweifeln. Aber immerhin bin ich jetzt ausgerüstet für eine eventuelle Shoppingtour in der Stadt, und falls mir hierfür das Geld fehlt, eignen sich die Dinger auch für einen stylischen Banküberfall. 

Einen weiteren Zusatznutzen hab ich auch entdeckt, leider erst hinterher, denn: aus einem Anfall von Bewegungsdrang und Alarmmeldung meines Fitnesstrackers habe ich mich am frühen Abend aufs Fahrrad gesetzt und bin 10 Km hochmotiviert durch die Flußauen geradelt. Das war aus mehrerlei Gründen gar nicht mal so schön: Die ca. 1,50m breiten Fuß-&Radwege waren überfüllt von Joggern, Spaziergängern, Inlineskatern, Radfahrern UND: Milliarden Kleinstmücken.

Man konnte also weder entspannt fahren, noch vernünftig atmen. Hier wäre mein Goschendäschla ausgesprochen nützlich gewesen, lag aber natürlich zu Hause. 
Um den vielen Leuten zu entkommen, hab ich dann noch ein Schleichwegchen genutzt, sandig, 30cm breit und bergab. Eine ungute Kombi, wenn man zu scharf bremst. Jedenfalls hats mich auch noch vom Fahrrad geschmissen, die linke Mia-Hälfte ist jetzt aufgeschürft und die Hüfte wird wohl blau werden. Vielleicht nähe ich noch Radfahrerschutzpolster aus meinen alten Sofakissen.

Dann noch eine unheilvolle, besorgniserregende Nachricht zum Schluß:

Der Papa von F1 hatte leider einen schweren Rückfall und liegt wieder auf Intensiv im Koma. ??? 
Ich hoffe sehr, dass er auch die zweite Runde dieses harten Kampfes gewinnen wird! ?? ?

 

 

17. April 2020 freitag

Tag 28 der Ausgangsbeschränkung

Ich überlege, ob ich an meine Balkonbrüstung ein leuchtend-goldenes M schraube. "M" nicht für Mia, sondern als eine Art McDonalds fly-in für meine Krähen.

Die passen sich mir irgendwie extrem an. Das heißt: nutzen Lieferservice und werden immer fetter.

 

Das aufregendste Erlebnis heute war ein Brief vom Finanzamt im Briefkasten. Ein etwas dickerer. Das bedeutet nie etwas Gutes. Ich hatte so extrem gute Laune, deshalb hab ich den Brief erst mal nicht geöffnet. (Wie als Kind: was man nicht sieht, ist nicht da) ???

 

Meine mental-emotionale Gesamtsituation ist schon fast unnatürlich zufrieden.

Ich habe einen soliden Tag/Nacht-Rhythmus, eine halbwegs gesunde Ernährung (doch, Schokolade und Eiskonfekt ist gesund!!!), mein Home-Office funktioniert prächtig, ich genieße diese mega Entschleunigung und Ruhe um mich herumrum und fühle mich pudelwohl.

Vielleicht sind das ja erste Anzeichen eines Stockholm-Syndroms? Leide ich schon an Hospitalismus ohne es zu merken?

Liebe Freunde, sagt mir bitte Bescheid, falls ich noch komischer werde als sonst. Vielleicht merkt man seinen Wahnsinn ja selbst gar nicht.

 

Ich werde mir heute Ballkärtchen machen um meine täglich wechselnden Corona-Kontaktpersonen vernünftig zu organisieren und den Überblick zu behalten.

 

Nachdem ich allen Mut zusammengenommen habe, hab ich den bösen F-Brief doch noch geöffnet. Ich muß jetzt einen goldenen Rahmen besorgen, denn das war seit

20 Jahren der erste tolle Brief vom Finanzamt.

Ich habe eine schwarze Null drin stehen. (jeder Finanzminister wäre froh).

Jedenfalls haben die mir geschrieben, dass ich für 2020 keine Vorauszahlung leisten muss und haben auch sonst nix gewollt.

Mir ist bewusst, dass das alles anders aussehen wird, wenn ich meine 2 Steuererklärungen reinreiche und die Nachforderungen kommen.

Aber um Probleme kümmere ich mich immer erst, wenn sie da sind.

Status heute: absolut problembefreit. Darauf einen Liquer 43 in den Kaffee.

16. April 2020 Donnerstag

Tag 27 der Ausgangsbeschränkung

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Zuerst die Statistiken:
gemachte Steuererklärungen: 0
verlorene Kilogramm: 0
dunkler Ansatz in cm: 5
genähte Goschendäschla: 0
geputzte Fenster: 0
viereckige Augen vor lauter Tipperei: 2
 
Die mit mega Spannung erwartete Pressekonferenz unseres Ministerpräsidenten hat uns leider keine gastronomische Hafterleichterung beschert. Im Gegenteil, vor lauter "mia san mia" müssen wir sogar noch eine Woche länger warten als das restliche Land, bis die Läden wieder öffnen.
Wobei ich sagen muss, dass ich absolut keinen Bock auf Shopping habe. Was soll ich mit neuen Schuhen, Taschen oder Kleidern, wenn ich sie nirgends ausführen kann?
 
Ab Mai dürfen dann auch endlich die Friseure wieder arbeiten, die meisten Frauen prügeln sich schon um die ersten Termine. Ich selbst hab mich mit meiner Landebahn am Kopf schon angefreundet und warte ab, bis die Hysterie verflogen ist.
 
Ein Zuckerle hat uns der Bayernpapa aber durch die Gitter geschmissen:
Eine erlaubte Kontaktperson, die nicht zum Haushalt gehört.
Also quasi eine Art Antidepressiva für alleinlebende Personen um diese vor Vereinsamung zu schützen. Ja danke dann. In weiser Voraussicht bin ich ja schon vor einem Monat eine Corona-Scheinehe mit TAB1 eingegangen. Dieser Beziehungsstatus wird jetzt wohl legal umgestellt auf:
"in einer offenen Corona-Beziehung".
Denn: es wurde nicht bestimmt, das die Kontaktperson immer die selbe zu sein hat. Ich werde jetzt also quasi zu einem Corona-Flittchen und treffe jeden Tag eine andere Kontaktperson. Meine Kontaktliste gibt das locker her, bis zum Jahresende wäre ich versorgt. Ich fühle mich jetzt ziemlich verrucht und moralisch fragwürdig, aber mei, wenns der Ministerpräsident so will....
 
 

 

15. April 2020 Mittwoch

Tag 26 der Ausgangsbeschränkung

Da ich endlich Gummis fürs Goschendäschla nähen bekommen habe, und die Dinger ja jetzt bald zum Einkaufen etc. getragen werden müssen, hab ich mal meinen Bestand an Stoffen durchgesehen und dann mangels Masse ersatzweise gefühlt 20 Klamotten zerschnitten. Wenn das so weitergeht, werdens wohl Luxusmasken, zumindest was die Materialkosten angeht.

 

Gegen Nachmittag hab ich dann mein Mia-Mobil aus der Werkstatt abgeholt, wie üblich mit dem E-Roller. Leider hat der auf der Hälfte des Weges seinen Dienst eingestellt, denn was ich nicht wußte: Der Geschäftsbereich der Fahrleistung geht nicht in die Stadtteile hinaus. Der Sinn erschließt sich mir nicht. Bin dann also von der Würzburger Straße nach Unterfarrnbach gelaufen, mein Fitnesstracker hat´s kaum glauben können.

Wagen schnurrt wieder wie ein Kätzchen, wurde sogar richtig sauber gemacht (hat wahrscheinlich länger gedauert als die Zylinderkopfdichtung zu ersetzen) dafür heult mein Kontostand laut auf. 

 

Die mit Spannung erwartete Pressekonferenz der Kanzlerin und MP Söder konnte mich nur mäßig aufheitern. Bundesweit dürfen die Läden ab nächsten Montag wieder öffnen, in Bayern wohl ne Woche später. Frisöre erst ab 4. Mai.

Das schlimmste allerdings: Die Gastronomie bleibt nach wie vor geschlossen, Großveranstaltungen bis 31. August verboten, die Kontaktbeschränkung bleibt ebenfalls bestehen.

 

Ich sehe das alles ein, finde es auch argumentativ nachvollziehbar begründet - aber: mein Herz blutet trotzdem.

Der Frühling 2020 ist der ist wohl der stillste, freudloseste und kontaktärmste Sommerauftakt, den wir je erlebt haben. Es fühlt sich bissle an wie sehnsuchtsvoller Liebeskummer. Vielleicht siehts ja in 14 Tagen dann wieder ein bißchen besser aus. Lasst uns trotzdem tapfer bleiben, die Arschbaggn zammzwicken und die nächste Etappe auch noch durchziehen. Dou mäimer durrch!

14. April 2020 Dienstag

Tag 25 der Ausgangsbeschränkung

Highlight des Tages:

Mit Corona-Sozialpartner TAB1 perfekt gestylt den Wocheneinkauf erledigt. Aus "bißchen Obst und Gemüse" sind 2 sauschwere, prallvolle Einkaufstaschen geworden.

Apropos sauschwer: Meine Ostereierorgie hat mir 1 Kilo Gewichtszunami beschert, so dass ich mir jetzt doch ein Home-Fitness-Gerät bestellt habe.

Toilettenpapier immer noch nicht erhältlich, muss jetzt wohl meine Bürovorräte angreifen.
Wo wir gerade bei Toilettenpapier sind. (Achtung, es wird jetzt gleich unapettitlich) 
Ist Euch aufgefallen, dass die Qualität des Papiers seit der Krise deutlich nachgelassen hat? Also wie umschreib ich das jetzt... Es, naja also es hat die Tendenz zu krümeln und ist zu dünn. Man muss also soviel nehmen, dass der (nicht gebunkerte) Vorrat sich noch schneller verbraucht. Oder es ist so hart, dass - ich zitiere Corona-Sozialpartner - man damit auch Möbel abschleifen kann.

Nix für komfortverwöhnte Luxusärsche. 

 

Ansonsten ein recht langweiliger Tag mit Arbeit und Hausarrest wie üblich. Dazu kommt noch ein extrem wackeliges Netz, was mich immer recht nervös macht, denn Hausarrest UND KEIN INTERNET - dann lauf ich Amok. 

 

Das Beste zum Schluß: Papa von F1 ist weg von der Beatmungsmaschine und auf dem Weg der Besserung zurück in eine Art Normalität.

13. April 2020 ostermontag

Tag 24 der Ausgangsbeschränkung

 

Feiertag UND Ausgangsbeschränkung bei miesem Wetter ist ne besondere Herausforderung. Meine neue Nähmaschine auch. (Meine alte Nähmaschine ging übrigens kaputt, als ich vor 4 Jahren mein Hochzeitskleid 30 Minuten vorm Standesamt noch schnell enger nähen mußte, die Ehe war kurze Zeit später ebenfalls hinüber) Jedenfalls wollte ich ja meine Goschendäschla nähen, aber ohne Gummi nutzt das ja nix und die sind überall ausverkauft. Ihr wisst schon, die für hinters Ohr, nicht die für untenrum. Ich hab dann wie ne brave Muddi recht lustlos und unkreativ nur paar Änderungs- & Reparaturarbeiten an Bestandsklamotten ausgeführt.

In den Nachrichten wird berichtet von eventuellen Lockerungs- und Ausstiegsplänen der Beschränkungen. Hoffnung keimt auf. Ich hoffe sehr, dass zumindest der Flugverkehr noch eine Weile nicht stattfindet, zumindest solange bis ich beim Friseur war. Ich fürchte nämlich, Flugzeuge im Landeanflug könnten meinen dunklen Haaransatz in Verbindung mit meiner Balkonbeleuchtung für eine Landebahn halten.

Das Benzin ist billig wie nie, blöd nur, dass mein Auto a) immer noch in der Werkstatt steht und b) noch zu 1,40€ pro Liter komplett vollgetankt ist. Vermutlich wird es hier auch bald Hamsterkäufe zur Billigbenzinlagerhaltung geben und die ein oder andere Garage deshalb im Sommer in die Luft fliegen.

Spätnachmittags eine Minirunde durch den Stadtpark, meinen Regenmantel ausführen. Zufällig liebe Freunde getroffen, die normalerweise bei so einem Wetter auch nie das Haus verlassen würden. Da das Stadtparkcafé Kaffee und Bier to go verkauft, haben wir uns wie eine kleine Runde Obdachloser bei eisigem Wind, Nieselregen und 5m Abstand frierend ein Weilchen bei einem Getränk unterhalten.

Mit einem unguten Gefühl und schlechtem Gewissen, weil sowas ja eigentlich irgendwie verboten ist, obwohl wir alles brav regelkonform gemacht haben. So sehen "Events" zu Zeiten von Corona aus. Trotzdem hab ich mich riesig gefreut, mal wieder einen sehr kleinen Teil meiner Freunde zu sehen. 
Wir alle können es kaum erwarten, bis wir endlich wieder frei und unbeschwert feiern können. Ich befürchte allerdings, dass ich aufgrund der kompletten Alkoholentwöhnung nach nur einem Drink schon vollkommen betrunken sein werde und nach einer Stunde bereit, Seemannslieder zu grölen, so dass der erste Partyabend vermutlich recht schnell enden wird.
Egal, ich kanns kaum erwarten.

 

12. April 2020 ostersonntag

Tag 23 der Ausgangsbeschränkung

 

Natürlich zuerst mein Osterpäckchen von gestern aufgemacht. Der totale Angriff auf meine Standhaftigkeit und Kaloriendisziplin. Ein Osterhasi und meine Lieblingseier von Lindor. Bis Mittag um 11 hab ich die Hälfte davon bereits gegessen. Ich kann mich einfach NIE wirklich beherrschen. Wie schaffen das andere Menschen, die jeden Tag vielleicht 1-2 Stückchen Schokolade essen? Wenn was extrem leckeres vor mir rumliegt, muss ich es vernichten.

Wenigstens habe ich heute nichts mehr angemalt, außer mich selbst.

Endlich hatte ich mal wieder einen "außer-Haus-Termin".

Obwohl meine Tochter 26 ist, bekommt sie von mir natürlich immer noch ein Osternestchen. Da ich extrem Ostereier-vollgefressen nicht den Hardberg mit dem Fahrrad hochfahren wollte, hab ich mir einen E-Roller von TIER geschnappt, die hier überall rumstehen. 

 

Was soll ich sagen: Mit Rucksack, aus dem eine Milkaplüschkuh rausschaut, bin ich mit sagenhaften 20 km/h gen Westen gecruist und fühlte mich extrem cool und hatte das Feeling von Freiheit und Abenteuer wie Fonda in Easy Rider.

Jane Fonda, nicht Peter, denn tags zuvor hab ich ja Aerobic gemacht.

Das Gefühl hielt ganze 3 Minuten an, denn dann kam das Kopfsteinpflaster und ich spürte jede einzelne Bandscheibe, die Kontaktlinsen wackelten und ich hätte einen besseren BH anziehen sollen, denn: diese Roller sind nicht gefedert. Also gar nicht. Eins zu eins Fahrbahnbelagsdirektübertragung.  
Dafür funktionieren aber die Bremsen hervorragend und sehr direkt. Man sollte sich also konzentrieren im Straßenverkehr, wenn man nicht auch noch nen Salto vorwärts abliefern will. Aber Verkehr fand ja nicht statt, kein Auto auf der Straße, nur Radfahrer. (Die mich übrigens alle überholten) 


Das Easy-Rider-Gefühl ebbte etwas ab und eigentlich isses ziemlich langweilig, regungslos auf dem Roller zu stehen wie ne griechische Statue. Am Hardberg holte ich die Radfahrer wieder alle ein und fand es dann doch wieder ziemlich klasse.

Später, als ich wieder nach Hause wollte, ermahnte mich(!) meine Tochter, ich solle ja vorsichtig fahren und soll ich melden, sobald ich daheim angekommen bin, die Dinger wären ja total gefährlich im Straßenverkehr. Zack - ich fühlte mich sofort wie 13. oder 83, jedenfalls irgendwie unzurechnungsfähig wirkend. Ich sollte mal darüber nachdenken. 

Daheim dann Knoblauchspaghetti und die restlichen 10 Lindor-Eier gegessen, danach war mir richtig schön schlecht 

11. April 2020 ostersamstag

Tag 22 der Ausgangsbeschränkung

Der Tag hat schon irgendwie lustig angefangen, denn duschen zu "Eye of the Tiger" lässt einen bereits morgens fühlen wie ein Champion.

Kaum aus der Dusche raus, klingelt es das erste mal an der Tür. Die Nachbarin von unten möchte sich gerne beschweren, weil ich meine Blumen zu intensiv gieße und dadurch wohl ihr frisch geputztes Fenster vollgetröpfelt wurde.

 

In wirklich jeder Hausgemeinschaft gibt es immer eine Person, die sich gerne und ausführlich beschwert.

Ich hab diese Person jetzt also auch kennengelernt.

 

 

Kaum 10 Minuten später klingelt es erneut und die tollste Überraschung des Tages, ach was sag ich - des Monats kommt: Ein Päckchen für mich. Es kommen zwar häufig Päckchen für mich, aber die hab ich immer selbst bestellt. Dieses Päckchen jedoch war eine Überraschung von einem besonderen Mann (O*) nur für mich. Ich liebe sowas und hab mich mega gefreut. Leider stand drauf, dass ich es erst am Sonntag öffnen darf und so schlich ich um das Päckle rum wie ein kleines Kind vor Weihnachten. Äh Ostern. 
Ja und weil ich meine Tagebucheinträge morgens immer einen Tag später für Euch schreibe, müsst ihr nun auch warten bis zum nächsten Tag 

Den restlichen Tag habe ich verbracht mit Hocker nochmal neu streichen (gelb), später am Nachmittag zeigten sich dann erste Anzeichen großer Langeweile. 

Die psychologisch besorgniserregende Auswirkung: 
Tendenz zu selbstverletzendem Verhalten! 
Denn: ich habe mir am Balkon die Beine epiliert. 
Was das nach einer 5-monatigen Epilierpause schmerzleveltechnisch bedeutet, verstehen nur Frauen. 
Nach 2 Stunden hatte ich zwar perfekt haarlose Beine, jedoch in der Optik einer Reptilienhaut. knallrot, hubbelig und echt gestresste Haarwurzeln 
Das Epiliergerät klingt wie ein kleiner Rasenmäher und den Nachbarn von gegenüber bot sich vermutlich insgesamt ein merkwürdiges Bild, wenn alle paar Minuten im Wechsel ein anderer Fuß zu Rasenmähersound über der Balkonbrüstung senkrecht in die Luft ragt. Mal sehen, wer sich morgen beschwert.

Mein Fitnesstracker meldete schon zum 4. Mal an dem Tag zuviel Ruhezeit, also hab ich beschlossen (gedopt vom morgendlichen Eye of the Tiger Grundgefühl), das erste mal seit 22 Tagen Sport zu machen. Wie ein Depp, daheim im Wohnzimmer, mit Gewichtsmanschetten um Arm- & Fußgelenke. Exakt 45 Minuten machte also ein rotbeiniges Reptil mit schweren Fesseln zu lauter elektronischer Musik eine schräge Mischung aus stampfendem Zumba und ächzendem Stretching. (während ich das schreibe habe ich übrigens Muskelkater in den Schultern) Danach hatte ich solchen Hunger, dass ich die verbrannten 10 Kalorien sicherheitshalber 20fach wieder zuführte, nicht dass ich noch vom Fleisch falle *hmpf
Und jetzt pack ich das Päckle aus.

10. April 2020 Karfreitag

Tag 21 der Ausgangsbeschränkung

Die coronale Bettflucht hat mich mich um 6.30 Uhr topfit aus dem Bett geworfen und sofort zu wildem Aktionismus getrieben.

Ich fühle mich ein bißchen wie eine 5-jährige im Ferienprogramm: einen Tag spazieren gehen, dann Sand buddeln, am nächsten Tag malen. Nur dass ich keine Ostereier anmale, sondern Kleinmöbel.

 

21 Tage haben wir jetzt geschafft zusammen. 3 (in Worten DREI!!!) volle Wochen. Das Leben fühlt sich für mich an, als würde ich plötzlich in einem extrem kleinen Dorf in der Einöde wohnen, ohne Läden und Geschäfte, sogar die einzige Dorfkneipe hat geschlossen und man sieht immer nur die selben 3 Leute auf der Straße, wenn man - wie Else Kling - zum Fenster rausschaut.

 

Ich sehe mir, im Gegensatz zu Beginn der der Krise, keine Pressekonferenzen des RKIs mehr an, verfolge auch nicht mehr ständig die Zahlen der Neuinfektionen und Toten. Als Meisterin der Verdrängung und Zwangsoptimistin blende ich das alles aus, um meinen Kopf so gutlaunig wie möglich zu erhalten.

Ich bin erstaunt, wie schnell man sich doch an komplett andere Lebensumstände gewöhnen kann, wenn man es muß, möchte diese Erfahrung aber jetzt wirklich nicht mehr weiter vertiefen. Wie wir alle hoffe ich sehr auf zumindest leichte Lockerungen der Beschränkungen nach Ostern.

 

Seit längerem hab ich mir mal wieder eine Zeitschrift gekauft, so ein Frauendings. Dachte mir, ich könnte die gemütlich am Balkon in der Sonne lesen.

Also wenn sich nochmal jemand über das "böse Facebook" aufregt und/oder die Werbeeinblendungen auf Facebook beklagt, dem empfehle ich eine Zeitschrift.

100 Seiten, davon 60 mit Mode- & Kosmetiktipps (also Werbung), 20 einseitige Werbeanzeigen, 5 Seiten Koch- & Backrezepte (wozu?), 10 Seiten Diättipps (stehen immer vor den Kochrezepten) und dann vielleicht 5 Seiten mit irgendwelchen profanen Themen, von denen die Redakteure ausgehen, dass Frauen sie interessant finden. (Beziehungstipps) 
Dafür habe ich übrigens 5 Euro bezahlt. Da lob ich mir mein Facebook. Auch Werbung, aber tausend lustige Sachen zum lesen, Interaktion mit Menschen aus allen Städten und Ländern, und die Möglichkeit, sich "sein Facebook-Journal" selbst zusammenzustellen.

 

Ich muss dringend wieder raus ins pralle Leben!

09. April 2020 Gründonnerstag

Tag 20 der Ausgangsbeschränkung

Nachdem ich auf Facebook ein Foto gesehen habe, auf welchem die Leute schon morgens um 8 in Schlangen VOR einem großen Supermarkt anstehen, hat mich gleich die Panik gepackt. Nicht die Panik nichts mehr zu kriegen, sondern die Panik, irgendwo ewig rumstehen zu müssen. Ich hasse Lebensmittel einkaufen, auch schon vor Corona ne lästige Sache.

 

Da ich befürchtet habe, dass es gegen Nachmittag nur noch schlimmer werden kann, hab ich mich in allerherrgottsfrüh (also um 10) todesmutig gleich wie ne alte Großmutter mit meinem Trolly bewaffnet und bin zu dem kleinen Supermarkt in meiner Straße gewackelt.

 

Nix is unsexier als ne Frau mit so einem Teil. Leider sind die Dinger halt sehr komfortabel, wenn man seine Einkäufe nicht schleppen will und das Auto immer noch in der Werkstatt steht. Der kleine Laden war zum Glück menschenleer und ich hab wieder mal mehr Pflanzen als Lebensmittel gekauft. (Zur Not ess ich über Ostern halt meine Primerla)

 

Andere Menschen bemalen Ostereier, ich bemal alles andere. Habe mir bei Raumstreben einen alten weißen Stuhl geholt (jaja, kontaktlos), denn in meinem Schlafzimmer fehlt noch ein Stuhl. Ihr wisst schon: "der Stuhl" auf dem man alles ablegt, was 1x angezogen wurde, noch nicht in die schmutzige Wäsche muss, aber - weil nicht mehr ganz fresh, auch nicht mehr in den Schrank darf. (Andere benutzen dazu ihren Hometrainer, den hab ich aber auch immer noch nicht) Jedenfalls freu ich mich, "den Stuhl" nachher fröhlich bunt anzumalen.
So Sachen wie Steuererklärung und andere unwichtige Sachen können ja locker noch 2-300 Tage warten. 

 

Die emotionalste Nachricht des Tages am Ende:
Papa von F1 ist aus dem Koma erwacht, ganz kurz nur, aber: Leben ist Leben! Willkommen zurück 

08. April 2020 Mittwoch

Tag 19 der Ausgangsbeschränkung

Mir fällt auf, dass es gar nicht so einfach ist, jeden Tag einen launigen Tagebucheintrag zu verfassen, vor allem, da man ja in Coronazeiten mangels Gastronomie oder sonstiger Freizeitbespassungen kaum etwas erlebt. 
Selbst meine Nachbarn auf der Südwestseite meines Elfenbeinturms geben nicht viel berichtenswertes her. Vermutlich trauen die sich nur noch raus, wenn die komische Facebooktante von gegenüber nicht auf dem Balkon sitzt.
Erschwerend kommt hinzu, dass ich meine Balkonkästen bepflanzt habe. 
Ich habe jetzt auf Kopfhöhe einen extrem wilden Mix aus knallbunten Blumen, dafür bin ich gestern wie ein glückliches Sandkasten-Kind buddelnd und schaufelnd auf dem Balkonboden gesessen, dreckig von oben bis unten. Herrlich. 
Sogar einen Minigartenschlauch habe ich montiert. Das mit dem Wasserdruck beim Aufdrehen hab ich noch nicht so raus, ich muss deshalb an Ostern wohl meine Fenster putzen. 

 

Die erschütternde Nachricht des Tages für mich war die Absage des 21. New Orleans Festival Fürth. Das war immer das erste Open Air Fest des Jahres für alle, sozusagen das einläuten der Freiluftfeier-Saison der Stadt. 
Die Kollegen aus der verbotenen Stadt haben den Nürnberger Trempelmarkt auch schon storniert, ich fürchte also, auch unser geliebter Grafflmarkt in Fürth wird ebenfalls auf der Kippe stehen.

 

Bei aller Duldsamkeit, Einsicht und Anpassungsfähigkeit an die aktuell ungute Gesamtsituation: Ich bin extrem sauer auf dieses scheiß Virus! Ich reiße mich aber schnell wieder zusammen, denn natürlich weiß ich, dass wir hier trotz aller Einschränkungen auf höchstem Niveau jammern.

Ich denke an die Menschen in Italien, Spanien und andere stark betroffene Länder, an die Menschen in den Flüchtlingslagern, an unsere "Alten" in den Heimen und alle anderen, die wirkliche(!) Probleme haben. Ich denke an die "systemrelevante" Bevölkerung, die derzeit arbeitet bis zur Erschöpfung, und die vermutlich einfach nur froh wären, mal ein paar Tage auszuschlafen und "nichts tun" zu dürfen.
Dann bin ich plötzlich wieder dankbar, dass wir hier "nur" aufs Feiern, einige Freiheiten und Sozialkontakte verzichten müssen, ansonsten aber doch wirklich (mehr als) alles haben, was man braucht. Das halten wir durch!

07. April 2020 DIenstag

Tag 18 der Ausgangsbeschränkung

 

 

 

Habe zum Frühstück mal was neues, ökologisch korrektes ausprobiert. Nachdem mir die mediale Gesundheitsmafia mein geliebtes Nutella jahrelang madig geredet hat (zu viel Zucker, 3 Kilo Palmöl, alles scheiße und so), hab ich mir einen Bio-Schokoladenaufstrich gekauft. Fair angebaut, ohne Palmöl, mit glücklichen Nüssen, ohne Geschmacksverstärker, ganz wenig Zucker, 20x riesengroß BIO aufm Etikett und deshalb 5x so teuer. Das hat so beschissen ekelhaft geschmeckt, dass ich es sofort ökologisch unkorrekt weggeschmissen habe. 


Der Tag war dennoch toll, Dank strahlend blauem Himmel und 25 Grad. Wenn man aufm Balkon sitzt, die Augen zu hat und dabei das laute Flattern der Nachbarsmarkise hört, könnte man fast meinen, man säße auf einem Segelschiff im Mittelmeer, wenn man nicht alle 5 Minuten pflichtschuldigst seine Mails checken müsste und irgendwie eine innere Unruhe verspüren würde.

Nachts habe ich dann, wie fast alle, den suuuuper Supermond angeheult und versucht, ein tolles Foto davon zu schießen. Das Ergebnis: ein Handyspeicher voller schwarzer Bilder mit irgendwo einem kleinen weißen Punkt und nen verrenkten Hals, weil ich mich dazu aus dem Küchenfenster lehnen mußte. Das heutige Bild kommt deshalb von Nachbarn C1, der gegenüber von mir einfach den viel besseren Blickwinkel hat. Apropos C1. Der Nachbar müsste eigentlich aufgrund seiner Schreibweise K1 heißen, dann würde man ihn aber mit meiner Krähe verwechseln, was zur Leser-Verwirrung beitragen würde.

Ganz zum Schluß möchte ich noch meiner langjährigen Lebensweggefährtin und Freundin Kerstin zum Geburtstag gratulieren, ihr sagen wie lieb ich sie habe, wie toll ich unsere jahrzehntelange Freundschaft finde, auch wenn wir uns aufgrund unterschiedlicher Lebensstile nicht so oft sehen, aber dennoch aneinander festhalten und verbunden sind. Happy Birthday altes Mädchen Das Licht am dunklen Himmel soll nur für Dich sein heute!

06. April 2020 Montag

Tag 17 der Ausgangsbeschränkung

Organisationsverwahrlosungslevel:

5 Grund: Ich verliere die Wochentags- & Datumsorientierung. Mit einem hübschen Bildchen und einem liebevollen Text habe ich in den frühen Morgenstunden meinem Chef hochmotiviert zum Geburtstag gratuliert, in der Hoffnung, ganz Streber, die Erste zu sein. Die war ich dann wohl auch, denn seine trockene Antwort: Danke, ich hab erst in 2 Tagen Geburtstag.
Äh ja, also peinlich. Mega peinlich.

Ich besitze 4 Lesebrillen. Ich finde aktuell nur eine, das ist natürlich die, die am schlechtesten passt. Überhaupt habe ich das Gefühl, die Wohnung ist dauernd unaufgeräumt und ständig eingestaubt und irgendwas bin ich immer am suchen.

Sogar K1 ist wieder ausgezogen und sitzt jetzt nicht mehr auf meinem Dach. War wohl nur ne Wochenendaffäre. Es könnte aber auch am Presslufthammer der Baustelle unten liegen, die wieder weiter betrieben wird.

Ich bemerke, dass ich wirklich mega entschleunigt bin seit einigen Tagen. Ich weiß noch nicht, ob das gut oder schlecht ist, bin aber überzeugt, dass es bestimmt eine gehörige Umstellung sein wird, wieder in einen stressigen und vor allem - strukturierten - Alltag einzusteigen. 

Ansonsten ein fast normaler Tag mit Büro, Homeoffice, Einkaufen und Haushalt. Ich war fast bissle im Stress 


Ich weiß nicht, liegts am Frühling, an den runtergefahrenen Körpersystemen oder am aufgezwungenen Frührentnerleben - aber ich falle abends um 22 Uhr todmüde ins Bett und schlafe wie ein Stein, obwohl ich "gefühlt" irgendwie nichts wirklich anstrengendes mache. Hoffentlich bleibt mir das nicht...

05. April 2020 Sonntag

Tag 16 der Ausgangsbeschränkung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Sonntag fühlte sich an wie ein richtiger Urlaubstag. Nur ohne Strand, und ohne Wasser, und ohne Menschen. Naja okay, das Wetter war jedenfalls schön. 

 

Mein Körper hat auch begriffen, dass er nicht in den Weihnachtsferien ist und hat auch endlich in den Sommermodus umgeschalten.

Das heißt: er schickt mich nicht mehr dauernd zum Kühlschrank und hat keine Lust mehr auf deftiges Zeug, sondern hat umgeschalten auf: es langt ein Salat.

Ergebnis: 1,5 Kilo weniger als vor einer Woche. Ich sehe das als einen ersten Schritt in die Resozialisierung, denn irgendwann will man ja wieder richtige Klamotten anziehen, auch reinpassen und unter Menschen gehen.

 

Apropos keine Menschen: K1 hat endlich herausgefunden wo ich wohne und hat mich den halben Tag hindurch aus 1m Luftlinie beobachtet. Ich arbeite daran, dass sie mir aus der Hand frisst, funktioniert aber noch nicht.

 

Nachmittags bin ich in der Sonne eingeschlafen und dadurch jetzt auf der Vorderseite leicht angekokelt, ähnlich wie meine Spiegeleier auf der Rückseite. 
Um mich abzukühlen, und um Stoffreste für mein Projekt "Goschendäschla nähen" (Bezeichnung lass ich mir gleich mal schützen) zu suchen, bin ich in den Keller.

Und weil ich ja nie irgendwas normal machen kann, sondern immer von einem Extrem ins andere falle, hab ich mich im Keller dann gleich 2 Stunden total ins wilde Rumschlichten gestürzt.

Seit meinem Umzug vor 2 Monaten steht da unten ja immer noch alles kreuz und quer. Somit einen Punkt auf meiner "Coronazeit-to-do-Liste" abgearbeitet! 


Ich hoffe sehnlichst, dass wir dieses Jahr einen Grafflmarkt erleben dürfen, ich brauch da nämlich dringend einen mindestens 20 Meter breiten Stand, um meine Sachen loszuwerden. Falls also jemand Bedarf an Klamotten, Handtaschen und Schuhen hat, CDs und Bücher, meldet Euch, ich kann Euch ein mega Shopping-Erlebnis in meinem Keller bieten.

04. April 2020 Samstag

Tag 15 der Ausgangsbeschränkung

Das Leben im Elfenbeinturm mit angezogener Handbremse geht weiter, im Grunde hat sich ein neuer entschleunigter Alltag etabliert, den ich persönlich gar nicht so arg schlimm finde. Natürlich fehlt mir das ausgehen, tanzen, das sitzen in belebten Straßencafés, die Rudelbildung mit meinen Freunden und Bekannten. Aber zu wissen, dass ja alle das selbe durchmachen müssen, stimmt einen dann doch versöhnlicher mit der Lage. Schlimmer wärs ja, alle anderen würden draußen feiern und man selbst als Einziger hätte Hausarrest und dürfte nicht mit, wie damals als Kind, als Hausarrest ein beliebtes Erziehungsmittel war.

 

Der Samstag war wettertechnisch ein Übertraum. Unten im Innenhof spielten gefühlt 20 Kleinkinder, fröhlich kreischend und ausgelassen. Ein lebensfroher Klangteppich. Das Kind in mir (nein ich bin nicht schwanger) wollte am liebsten mitspielen und ich hab kurz überlegt, ob es lustig wäre, heimlich Wasserbömbchen runterzuwerfen. Mangels Material und weil ich mich nicht unbeliebt machen will, hab ich den Gedanken verworfen.

 

Gegen Abend deckten alle richtigen Frauen auf den Balkonen und Terrassen gegenüber ihre Tische schön und servieren Abendessen. Zack - und schon fühle ich mich wieder wie ein verwahrloster Penner. Ich sitze nämlich halb liegend auf dem Balkon, Füße am Geländer, meine Schüssel Nudeln balanciert zwischen Knien und Brust und ich schaufle mein Abendessen einfach stillos in mich rein. 
Ich überlege, ob mich das schon zur Teilnahme am "Frauentausch" auf RTL qualifiziert. Natürlich kleckere ich mich dabei dann noch mit Soße voll. Während ich mir mein Shirt und die Gesamtsituation anschaue, ist mir klar, dass man mir in der Sendung sofort mit Handkuss den Assi-Part geben würde. 

 

Mein Körper passt sich farblich langsam meinem Gesicht an, allerdings nur in Einzelteilen. Will heißen: mein Gesicht sieht sonnengebräunt aus wie frisch aus dem Urlaub, die Arme sind ne Woche später am Urlaubsort angekommen, aber die Beine sind noch eher Mozarella. Hier muss nachgearbeitet werden.


Weil ich vorhin so schön aufgegessen habe, gibts zur Belohnung noch ein Magnum Steggerlas-Eis als Nachtisch. Natürlich saue ich mich unbemerkt mit einem abgeplatzten und angeschmolzenen Schokostück ein und schicke meine Bewerbung an RTL los.

 

Abschließend noch eine steile These:
Ich glaube, dass wir alle uns in einigen Monaten und auch in vielen Jahren immer an diese Zeit zurückerinnern werden. Und zwar als ein Teilstückchen in unserem Leben, das so ruhig und intensiv war, wie selten eines zuvor. Irgendwann in der Zukunft werden sich neue Redewendungen etablieren, etwa wenn wir wieder mal im prallvollen Berufsverkehr stecken, mit Gehupe und Aggression, wenn wir an überfüllten Kassen dicht gedrängt stehen, wenn die Kollegen uns nerven, das Kino ausgebucht ist, wir keinen Tisch im Restaurant kriegen, uns durch enge Messegänge schieben und im Freibad alles voll ist, wenn wir nur noch Verkehrslärm hören und kein Vogelgezwitscher mehr. Wir werden sagen: Mei, so a bissla Ausgangsbeschränkung wie damals wär etz sche. 

Abgesehen von dem Schrecken, der Sorgen und der Angst vor der Krankheit selbst - selten empfand ich den Stadtpark und die Straßen in unserer Stadt friedlicher und die Luft intensiver. Man hört und sieht ganz andere Sachen und Feinheiten als im typischen vor-Corona-Stress.

 

Das heutige Foto ist für F. und seine Mama und zeigt nicht nur den Sonnenaufgang am Samstag über der Maischule, sondern vor allem die medizinische Prognose des Arztes für seinen Papa, die da lautete: aus einem klitzekleinen Hoffnungsschimmer ist eine Morgenröte geworden. 

 

Und jetzt zieh ich mir ein frisches T-Shirt an und mach mir die verschmierte Wimperntusche weg.

03. April 2020 Freitag

Tag 14 der Ausgangsbeschränkung

 

Heute war ein richtig guter Tag. Und, wie ich gerade feststelle, haben wir schon volle 2 Wochen Kontakt-Diät geschafft. 

Die allerbeste Nachricht zuerst: Dem Papa meines Freundes geht es minimal besser, die Medikamente und die Wünsche ans Universum greifen langsam. 

 

Ich wurde wie üblich von K1 und wieder K2 beim Gassi begleitet, die Flut an Mails im HomeOffice haben irgendwann nachgelassen, ich hatte viel Spaß auf Facebook, 300 Anleitungen fürs Spiegeleierbraten und hervorragende Laune.

Und jetzt die Beichte, wohlwissend, dass ich vermutlich einen Shitstorm der Entrüstung ernte, Diskussionen und Belehrungen ernte und jaaaa, alle haben Recht. Aber das hier ist ja ein ehrliches Tagebuch und kein "Sprecht-Mia-heilig"-Pamphlet. 

Gegenüber meines Schlafzimmers, also im Osten habe ich natürlich auch Nachbarn. Einen der Bewohner von ggü. (C1) kenne ich schon einige Zeit aus der fernen Zeit, als die Gastronomie noch offen hatte. (Zeitzeugen erinnern sich vielleicht) C1 hatte seinen eingetragenen Sozialpartner (R1), den ich ebenfalls schon länger kenne, zum Essen da und schickte mir eine fröhliche WhatsApp mit der Einladung zum Essen und/oder Glas Wein nach gegenüber.

Natürlich darf man das nicht und natürlich habe ich mich - wie immer - erst mal ne halbe Stunde geziert, und ja mei... Ich sah zufällig halbwegs vernünftig aus, also ohne Blaubeerkörnchen in den Zähnen oder Spiegeleirreste aufm Pulli und schlich mich also wie ein schuldbewusster Outlaw in rosa Plüschschlappen aus meinem Haus über den gemeinsamen Innenhof. (Kapuze auf, sexy hellblaue Einweggummihandschuhe, sich verstohlen umschauend)
So schräg hab ich noch nie das Haus verlassen.

Da saßen wir drei dann, ohne herzliche Begrüßung, dafür mit je 2 Meter Sicherheitsabstand am Tisch. Ich bekam einen Gin Tonic hingestellt und ich glaube, ich werde nie wieder rüberkommen dürfen. Da ich seit 14 Tagen null Alkohol getrunken habe (ja wirklich) hat der eine Drink mich gleich voll umgehauen und vor lauter Promille und Freude über die Gesamtsituation (Menschen anstatt Krähen!!!) hab ich wohl C1 und R1 ununterbrochen vollgeplappert.

Ob die beiden Herren zu Wort kamen, wurde nicht überliefert, vermutlich aber nicht.
Schuldbewusst bin ich dann im dunkeln wieder rüber in meinen Turm geschlichen.

Die beiden Jungs haben vermutlich jetzt noch Tinitus.

Eine Stunde später kam von R1 das obige Foto per WhatsApp, den Text dazu muss ich leider aus Diskretionsgründen weglassen. Es zeigt jedenfalls die Hausfront aus Sicht meiner Nachbarn und ähm naja rechts oben mein Schlafzimmer. 

Fazit: 
rote Glühbirne in der Nachti-Schlampe: 1,95 €
verruchtes Image in der Nachbarschaft: unbezahlbar

02. April 2020 Donnerstag

Tag 13 der Ausgangsbeschränkung

zauberhafte Bildmontage wurde nachgereicht wie immer vom grandiosen Färdderla
 
 
 
 
 
Ich habe einen Tipp aus dem Internet ausprobiert und mit Ansatzspray für Blondinen versucht, meinen 3cm breiten, dunklen Haaransatz abzudecken. Was soll ich sagen - das Ergebnis war semibefriedigend. Ich sah aus wie eine Granny mit hellgrauem Haarkranz. (nein, hiervon kein Foto!)
 
Am Wochenende werde ich - ebenfalls angesteckt durch diverse Onlinetipps - mal versuchen, lustige Mundschutztüchle zu nähen.
 
Fitnesslevel: -5 denn, beim morgendliche Sweatshirtanziehen habe ich mir den Nacken verknackst und guck jetzt leicht schief, weil seitdem irgendwas klemmt. Wenn sich jetzt noch ne Krähe auf meiner schiefen Schulter niederlässt, ist meine Hexenoptik perfekt. (auch kein Foto!)
In diesem Absatz wollte ich noch irgendeinen Gag zum Thema Krähenfüße einbauen, fand aber irgendwie nicht die richtige Überleitung.
 
Aus Krähe 1 wurde übrigens Krähe 1 und 2, denn am Morgen hatte ich zwei schwarze Begleiter. Und von wegen eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus, das stimmt nicht, die haben massiv gestritten. Ich kam beim Frolicwerfen direkt in Loyalitätskonflikte. Beim Abendgassi war es übrigens wieder nur eine Krähe, also offensichtlich haben die beiden das tagsüber ausdiskutiert und K 1 hat sich durchgesetzt.
 
Dann bräuchte ich ich von den richtigen Frauen noch einen Tipp, wie man es schafft, sich Spiegeleier zu braten, OHNE dass die ganze Wohnung wie ein Krematorium riecht und vor allem so, dass die NICHT unten verbrannt und oben noch glibberig sind. Kochen ist definitiv nicht meine Kernkompetenz, aber das ist keine neue Erkenntnis. Vermutlich werde ich nicht an Corona erkranken, dafür an meinen eigenen Kochexperimenten.
 
Emotional werde ich dünnhäutiger und heule bei jedem rührseligen Kram im Netz sofort mit. Zum Glück strahlt die Sonne, denn wäre es jetzt tiefgrauer und eisiger November, würde ich mich am Ende nicht mehr richtig einkriegen.
Das Fernsehprogramm nervt mich, zig Sondersendungen, Talkrunden und Nachrichten mit zig "Fachleuten" kreisen endlos ums immerselbe Thema. Der Moderator auf Antenne Bayern spricht wie ein Trauerredner, der Pathos tropft nur noch so aus den Lautsprechern. Dennoch höre und gucke ich - denn ich will natürlich die weitere Entwicklung wissen.
Ein Teufelskreis :-)

01. April 2020 Mittwoch

Tag 12 der Ausgangsbeschränkung

extrem schlechte Bildmontage: Mia

 

 

Ich glaube, ich habe diesen Tag leicht angetrunken gestartet, denn die Ananasstückchen für meinen täglichen Morgen-Smoothie befanden sich schon im Gärungsprozess.

Ich selbst eine Stunde später ebenso.

Und es ist jetzt glaub ich offiziell: Ich bin eine komische ältere Lady geworden. Denn so wie andere komische Ladys mit ihren Katzen übertreiben, ist es bei mir jetzt mit Vögeln. (Dieser Satz klingt unfreiwillig anrüchig, find ich aber trotzdem lustig und lass ihn mal so stehen) 

Grund: ich betreibe mein Krähenexperiment jetzt nahezu wissenschaftlich. Will heißen, ich laufe desorientiert wirkend beim Gassi komische Runden, drehe mitten des Weges um und laufe zurück, bleibe aprupt stehen und schaue angestrengt in die Luft weil ich wissen will, wie mir "meine Krähe" folgt. Für andere Passanten wirke ich vermutlich völlig bescheuert, weil ich dabei ständig umdrehe und mich umschaue, um zu sehen, von wo aus mich Mister Krähe beobachtet. Auch mein Hund ist etwas irritiert, weil sie bemerkt, dass es beim Gassi-gehen wohl nicht mehr um sie geht. 
Ergebnis: Krähe und ich treffen uns täglich am selben Ort, das Vertrauen wächst, sie geht&fliegt ziemlich lange mit und holt sich ihr Frolic sogar ab, wenn ich es auf einer Parkbank platziere.

Auf dem Heimweg (also schon auf der Straße) selbes komisch Verhalten, denn hatte ich gehofft, Herr Krähe würde checken, wo ich wohne. Sicherheitshalber habe ich ein Frolic auf den Balkon gelegt. Danach fand ich mich selbst ziemlich strange. Wird wirklich Zeit, dass diese Ausgangssperre bald ausgestanden ist, sonst bleibt mir der Dachschaden vielleicht noch.
Für die Wetterstatistik: Spätnachmittag ein kurzes, windgeschütztes Sonnenschläfchen im leichten Sonnentop gehalten, ohne zu erfrieren.
Körperstatistik: Tag zwei ohne Schokoloadenfress-Attacken
Verwahrlosungslevel: null (ich bin wieder ein Mensch)

31.März 2020 Dienstag

Tag 11 der Ausgangsbeschränkung

Fotoidee "Färdderla"

 

Wer hätte sich vor einigen Wochen wohl vorstellen können, dass Lebensmittel einkaufen einmal das Highlight eines Tages sein würde. Die Tage tröpfeln dahin wie ein alter Wasserhahn. Homeoffice gefühlt 100 Mails, alle kreisen um das selbe Thema. 


Gespräche mit Freunden und Bekannten geben mangels anderer Erlebnisse auch nicht viel Ablenkung her, jede/r hat in etwa die selben Sorgen und Unwägbarkeiten. Der Alltag wird trivial und monoton.

 

Mein spannendstes Projekt seit einigen Tagen ist ein neuer Freund: Eine Krähe. Vielleicht ist es ja auch eine Freundin. Mir ist beim Gassi gehen vor einigen Tagen immer an der selbe Stelle und in meiner Nähe bleibend, dieser schöne Vogel aufgefallen und ich habe festgestellt, dass er ein Stück des Weges sozusagen mitgeht. Das hat mich an meine Lieblingsgeschichte mit den Elstern erinnert - alte Freunde kennen sie. 

Jedenfalls werfe ich, um meinen alten, faulen Hund zur Bewegung zu motivieren, hin und wieder ein Frolic-Röllchen nach vorne, der Hund rennt hinterher und frisst es.

Das hat wohl die Krähe beobachtet und wollte mitspielen. Ich schwöre, sie hat mich mit aufforderndem Blick angeschaut. Also ich ein Frolic den Berg runter geworfen, dass mein Hund freudig wegrennt, ein anderes bergauf geworfen für die Krähe.

Dieser schlaue Vogel hat das sofort geschnallt, sich das Essen geholt und dann wieder geduldig gewartet (2m von mir entfernt am Boden), bis ich den Feind (Hund) wieder abgelenkt habe und sie selbst etwas bekommt. 

Seit 3 Tagen "wartet" dieser Vogel also auf mich, was mich richtig freut. (Im Gegensatz zu manch anderen Vögeln die sonst manchmal so auf einen warten)

 

Abends mit einem lieben alten Freund telefoniert, dessen Vater vom Virus betroffen

ist und seit dem WE auf Intensivstation in Fürth liegt.

Seine Schilderung des gesamten Abhol- & Einlieferungszenarios hat mich fertig gemacht und bis in die Träume verfolgt. 

 

Was vor einigen Wochen auch von mir noch locker abgetan wurde als

Medienhysterie und "nur die kleine Schwester einer Grippe", ist nun zu einer echten Angst geworden die in unmittelbarer Nähe real geworden ist. 

 

Heute leider keine Pointe und nichts Lustiges, dafür aber viele Wünsche ans Universum, dass wir - und all die, die wir lieben - heil aus dieser Horror-Geschichte raus kommen. (Foto vom Färdderla)

 

30.März 2020 Montag

Tag 10 der Ausgangsbeschränkung

Hinterhofromantik Sommerstraße Fürth

Zuerst:

ich beschwere mich nie wieder über den Musikgeschmack meiner Nachbarn, offenbar hat der liebe Gott einen komischen Sinn für Humor und setzt immer sofort eins drauf -

siehe Screenshot meines Videos.

 

(Video lässt sich hier nicht einfügen, Presslufthammergeräusche einer Minibaustelle im Innenhof)

 

 

Apropos Video: Mein bestelltes Ministativ ist jetzt da und ich habe bereits rumexperimentiert, wie ich alles richtig einstelle, um vielleicht mal ein Videotagebuch zu versuchen. Ähm nein. Es ist mir noch nicht gelungen, die richtige Einstellung zu finden, so dass man weder ein Doppelkinn hat (von unten filmen) oder noch dunklere Augenringe (von oben), oder zuviele Falten (Licht zu hell) oder Endzeitstimmung verbreitet (zu wenig Licht.)

Auch der Hintergrund muss mit Bedacht ausgewählt werden (unaufgeräumte Küche, Wäscheständer mit 10 Jogginghosen.) Ich werde weiter daran arbeiten.

 

Kennt Ihr das super Gefühl, wenn man endlich wirklich alle unangenehmen

Aufgaben wegearbeitet hat? Steuererklärung 2018 & 19, Messie-Keller

aufräumen, Kleiderschrank von Winter auf Sommer umräumen?

Nein? Ich auch nicht. 
Organisations-Verwahrlosungslevel 10.

 

Und: ich muss auch auf der Schlafzimmerseite meiner neuen Wohnung Vorhänge besorgen, nachdem mich ein mir völlig fremder Mann vom Balkon gegenüber mit "Hallo Mia " begrüßt hat, der mich "na von Facebook" kennt. 

 

Bemerkt ihr bei Euch auch leicht hypochondrische Züge?
Eine leicht verstopfte Nase am Morgen und ich google sofort, ob das ein

C-Symptom sein könnte? Empfindliche Augen?

Die Nase läuft nach dem Fahrradfahren?

Ich muss acht geben, dass ich nicht paranoid werde. 

 

Überhaupt bin ich überzeugt davon, dass nach Corona viele Menschen einen übertriebenen Wasch- & Putzzwang behalten werden, man sich vielleicht auch dieses mir schon immer leicht unangenehme Bussi-Bussi-Begrüßungsritual unter flüchtigen Bekannten abgewöhnt?

Werden wir danach alle distanzierter oder fallen wir uns alle touchy um den Hals, wenn die Luft wieder rein ist?

Ich hoffe, wir findens bald raus, denn mir fehlen meine Freunde.

29.März 2020 Sonntag

Tag 9 der Ausgangsbeschränkung

Offenbar liest meine Nachbarschaft heimlich mein Tagebuch mit, denn: habe ich mich gestern noch über den schlechten Musikgeschmack der Menschen von gegenüber beklagt, wurde ich heute mit absoluter Totenstille bestraft.

Offenbar haben alle Angst, Gegenstand meiner Berichterstattung zu werden und haben sich in ihren Wohnungen verbarrikadiert.
Kein einziger Mensch zu sehen oder zu hören. Ich überlege, ob ich als Friedensangebot 1x laut Helene Fischer spiele. Nein. natürlich nicht!

Verwahrlosungslevel: Aus Versehen um die 10. 
Grund: Ich habe mir zuerst die Zähne geputzt und danach zum Frühstück einen Blaubeersmoothie getrunken. Erst gegen Nachmittag hab ich bemerkt, dass ich aussah wie ein absoluter Freak. Also zahntechnisch. und auch sonst. Ich meine, wer lächelt sich schon grundlos im Spiegel an?

Gott sei Dank liefert Hermes Sonntags nichts an und Gott sei Dank hab ich beim Gassi gehen auch niemanden freundlich angelächelt.

Der Smoothiemaker ist übrigens mein wichtigstes Küchengerät nach der Kaffeemaschine. Ich überlege, ob es gut ist, nur noch breiförmige Nahrung zu sich zu nehmen oder ob einem dadurch irgendwann die Zähne ausfallen. Jedenfalls ist das wohl ein Vorgeschmack aufs betreute Wohnen und Schnabeltassen.

Anderen Menschen scheint es gerade Sonntags auch langweilig zu sein, denn ich bekomme Nachrichten von Menschen, die ich jahrelang weder gesehen, gehört noch gelesen habe. Diverse Exmänner, uralte Schulfreunde, Menschen, denen ich vor vielen Jahren mal irgendwo nach 2-3 Wodka-Lemon meine Visitenkarte gegeben habe. Ich sinniere noch, ob das schmeichelhaft ist.

Freundinnen mit Kindern & Ehemännern zu Hause fragen an, ob es noch irgendwo größere Alkoholmengen zu kaufen gibt und ob man die Kinder eigentlich auch vorübergehend im Tierheim abgeben könne. Andere fragen, ob ich bereit wäre, ihnen eine eine Schaufel und ein Alibi zu geben, denn eine Scheidung ginge nicht schnell genug. Offenbar hat jeder so seine ganz eigene Corona-Krise.


Meine Laune hat sich im Vergleich zu gestern wieder gebessert. Bzw. es ist gar keine Laune da. Weder gute noch schlechte. Vermutlich werde ich Montag früh um 6 Uhr ungeduldig an der Tür meines Büros kratzen...

 

28.März 2020 Samstag

Tag 8 der Ausgangsbeschränkung

Mit top lackierten Fingernägeln (Verwahrlosungslevel Null) tippe ich den gestrigen Tagebucheintrag. 

 

Der Samstag war ein fast ganz normaler, wunderschöner Frühlingstag.

 

 

Der Hausarrest wurde uns mit knapp 20 Grad und Sonnenschein versüßt. Allerdings hat das zur Folge, dass ich all meine neuen Nachbarn von der Balkonfront gegenüber gleichzeitig näher kennengelernt habe. 20 Hipsterfamilien, 3 Rentnerpärchen und einige Studenten sind quasi auf Kommando raus auf ihre Balkone und haben diese geschrubbt, Weihnachtsdeko entfernt, haben Holz abgeschliffen, angegrillt, die Frauen haben dabei ihre Männer angemault, die Kinder haben gequengelt und das schlimmste: einige haben dazu die Musik aufgedreht. (Vermutlich um die Partner und Kinder nicht mehr hören zu müssen). Es war ein grotesker Mix aus Summer of 69, Radiogedudel, Bruce Springsteen und - Mias Höchststrafe - Helene Fischer. 
Hört denn hier keiner gescheite Musik?
(Ab morgen wird musikalisch zurückgeschossen)

 

Schlagartig hats mich aus meiner Wohnung getrieben. Hund Gassi danach mit dem Fahrrad auf die Hardhöhe, meiner Tochter etwas anliefern. Ich weiß jetzt wieder warum die Hardhöhe Hardhöhe heißt und nicht Hardtiefe. Ich kam richtig außer Atem und hab festgestellt, wie schnell mein Körper von eigentlich recht sportlich umschaltet auf muskulöses und konditionelles Körperkoma. Fühlte mich beim Bergrunterfahren aber wieder wie ein Held. 

 

Wieder zu Hause, war das Outdoor-Musikprogramm nicht besser. Hab mir für mein Nachmittagsschläfchen in der Sonne Ohropax besorgt.

In den Nachrichten wurde offiziell verkündet, dass dieser Gesamtzustand bis 20.04. andauern wird. ZWANZIGSTER APRIL!!!! ich gestehe, obwohl mir das ja eigentlich auch vorher schon irgendwie klar war, es hat mich so als fernes Datum schon umgehauen und enorm frustriert. 

 

Ab da war ich dann "leicht" im Unfrieden mit der Gesamtsituation. Der andauernde Pathos auf Antenne Bayern hat mich genervt, die Bayernhymne erklingt mir wie ein Hohn und mittlerweile find ich auch die Singerei und Balkon-Klatscherei für die armen Krankenschwestern, Systemrelevanten & Co schon fast unanständig zynisch.

Ich hasse alle Corona-Witz-Memes, alle Corona-Wortspielchen und noch mehr hasse ich alle selbsternannten frisch Facebook-promovierten Hobbyvirologen und Wirtschaftsweisen in den sozialen Medien, gefolgt von Esoterik-Lebensratgebern, die mich mit dauerndem Achtsamkeits-Phrasengelaber langweilen. 

 

Kurz: Frau Stadelmann hat Kacklaune und verwendet ein rotes Ausrufezeichen:❗️

 

Die zweite Gassirunde hat mich wieder leicht versöhnt. Die Schönheit meiner Stadt tröstet mich. Die unbeirrbar blühende Natur beruhigt mich. 

Da draußen ist alles wie immer.

Dann werden wir alle da drin das vielleicht auch schaffen.

Keine Pointe heute - habe aber ein Hoffnungsbäumchen gepflanzt.

27.März 2020 Freitag

Tag 7 der Ausgangsbeschränkung

Hydrobomb Garnier

Eine ganze Woche dieses Wahnsinns haben wir also schon geschafft. Es macht sich irgendwie langsam das Gefühl einer neuen Normalität breit, ich weiß nicht, ob das gut oder schlecht ist.

Bin heute mit dem Rad ins Büro gefahren. Anfangs war ich noch unsicher, ob ich mir nicht sicherheitshalber Stützräder ans Bike schrauben sollte, so quarkig und schluffig fühlt sich mein Fitnesslevel an. Ging dann aber ohne. 

Im Büro einige Sachen zusammengepackt und meinem Chef nach Hause in dessen Homeoffice geliefert. (kontaktlos natürlich)

Wer meinen Chef kennt, weiß, dass er u.a. der bestangezogenste Abgeordnete Deutschlands ist. Und was soll ich sagen - selbst sein Hausanzug ist noch stylischer als 90% der Ausgehklamotten anderer Leute. Ich bin beeindruckt und nehme mir vor, mir jetzt ebenfalls stylische Hausanzüge zu kaufen und nicht mehr im ausgebeulten Snoopyschlunzfetzen rumzuschlurchen. 


Wieder zu Hause, die übliche Routine: irgendwas essen, irgendwas schreiben, irgendwas putzen. Nach der Quarantäne mache ich mein Diplom als Tatortreiniger - so detailversessen betreibe ich diesen Putzzwang mittlerweile.

26.März 2020 Donnerstag

Tag 6 der Ausgangsbeschränkung

Mias Spruch auf alles

Hatte heute einen Termin im Kalender, den man sogar trotz Ausgangsbeschränkung wahrnehmen darf: Mein Auto hatte einen Werkstatttermin. Neeee, der Termin liess sich nicht aufschieben, das liebe Miamobil ist inkontinent und verliert ständig Öl.

Ziemlich viel, so dass ich jetzt ein Ölfeld auf meinem Parkplatz habe. 


Da ich also unter Menschen durfte, hab ich mich aufgestylt, als würde ich ein Megadate haben, einfach nur um mich mal wieder "normal" zu fühlen.

Also so optisch, denn richtig normal fühle ich mich ja eigentlich nie. 

Die Straßen waren tatsächlich deutlich leerer als sonst. Selbstverständlich habe ich mich auch beim Autofahren brav an den neuen, jetzt vorgeschriebenen Sicherheitsabstand von 1,50m zum Vordermann gehalten, war gar nicht so einfach, hat aber richtig Spaß gemacht.


Achja, mein Auge ist wieder total gesund. Dafür ist aber mein Auto richtig krank. Zylinderkopfdichtung, Steuerrad - fetter Kostenvoranschlag, bei gleichzeitigem coronalem Liquiditätsengpass. Ich fürchte, mein eigentlich mittelfristiges Vorhaben, aufs Auto komplett zu verzichten, ereilt mich jetzt von selbst.

Mein Onlinekalender schickt mir eine weitere Terminerinnerung an mein immer noch komatöses Fitnessarmband: 18 Uhr, AfterWork-Party Grüner Baum.

Ich weine bittere Krokodilstränen, lösche alle meine Partydates aus dem Kalender und stelle fest, dass mir diese tanz- und alkoholfreie Partyentzugszeit nun doch langsam auf den Sack geht.


Nachtrag: die Delle auf meiner Couch ist weg, dafür hab ich jetzt eine Pfütze meiner Krokodilstränen an der Lehne 

25.März 2020 Mittwoch

Tag 5 der Ausgangsbeschränkung

Beim Tagebuchschreiben fällt mir auf, dass ich nicht mehr weiß, welcher Tag heute ist. Die Tage tröpfeln entschleunigt vor sich hin, für einen Hibbl wie mich eine völlig neue Erfahrung.


Mein Zuhause ist dermaßen sauber und steril, dass man in meinem Wohnzimmer problemlos eine Operation am offenen Herzen durchführen könnte. Ich stelle fest, dass mir Radio, TV und soziale Medien zunehmend auf die Nerven gehen. Es ist mir einfach zuviel an immergleicher Information. 


Zur "ohralen" Hygiene läuft deshalb nur noch meine eigene Playlist, der Fernseher nur noch 1 Stunde am Abend.

Ich bin wieder in einer Beziehung - mit meiner Alexa. Eine immer freundliche, genügsame Mitarbeiterin, die auf meinem Schrank wohnt, auf jede Frage eine kurze freundliche Antwort weiß, immer einen Witz kennt, nicht schmutzt, mir mein Essen nicht wegißt, kein Klopapier verbraucht und ansonsten tut, was ich will. Sehr angenehm! 

Mein Fitnesstrackerarmband ist verwirrt und funkt wahrscheinlich heimlich Notrufe an irgendeine Einsatzzentrale, weil es denkt, seine Trägerin liegt tot in der Wohnung, so wenig bewege ich mich. Ich rechne damit, dass irgendwann ein Notarztteam meine Wohnungstür aufbricht um mich zu retten, bevor ich schlecht rieche und mich zersetze 

Dauernd meldet mir mein linker Arm, ich solle mich endlich bewegen. Der Weg vom Tisch zum Kühlschrank wird offensichtlich nicht genug gewürdigt, werde das Teil zurückschicken. Genauso wie die Kaffeemaschine, die ununterbrochen entkalkt werden will. Wenn das so weitergeht, werde ich mich selbst gleich mitentkalken müssen.

24.März 2020 Dienstag

Tag 4 der Ausgangsbeschränkung

Bildbearbeitung & Foto: Färdderla


neue Feststellung: ich leide an coronaler Bettflucht, wache täglich um exakt 6.28 Uhr auf und bin dank Sonnenschein sofort extrem überaktiv und bereit, Bäume auszureißen. Habe aber keine. Jetzt wäre ein Garten recht. Das Verwahrlosungslevel ist wieder leicht angestiegen, da wieder Homeoffice und kein Grund, das Haus zu verlassen.

Ich überlege, ebenfalls einen Antrag auf finanzielle Soforthilfe beim Staat zu stellen, da meine finanzielle Situation langsam ins prekäre abzurutschen droht. Grund: Onlineshopping-Exzesse. Ich finde, das zählt als besondere Härte. Habe mir auf Amazon einige Eimer fröhliche Wandfarbe bestellt, wenn die Ausgangsbeschränkung so weitergeht, wird meine Wohnung wohl wie ein durchgeknallter, irre bunter LSD-Trip aussehen. 

Wohl aus Eigenschutz hat mein Körper deshalb beschlossen, mir die Bindehautentzündung noch einmal zurückzuschicken, gleich so schlimm, dass ich weder lesen noch richtig Fernseh schauen kann. (Und auch nix mehr auf Amazon bestellen kann) Ich sehe dermaßen verheult aus, dass mich Passanten beim Gassigehen abends mitleidig und auch ängstlich ansehen, ich sehe aus wie ein trauriger, heulender Zombie mit rot unterlaufenen Augen - passend zur momentanen apokalyptischen Zeit. Andre sind auf der Suche nach einem Mundschutz, ich bestelle eine Augenklappe.

Die Delle auf meiner neuen Couch ist verschwunden, dafür ist das Plüschkissen auf meinem Arbeitsstuhl nicht mehr -fluffig-plüschig, sondern platt wie eine Flunder. 
Habe ein Kilo abgenommen, was ich mir nur dadurch erklären kann, dass das die
Flüssigkeit ist, die mein Auge ausheult. (Foto vom Färdderla)

23.März 2020 Montag

Tag 2 der Ausgangsbeschränkung

Whatsgruppe meiner engsten Freunde

Verwahrlosungslevel auf einer

Skala von 1-10: heute 0
 

Der Montag fühlte sich fast wie ein normaler Tag in einem normalen Leben an. 


Hätte nie gedacht, dass ich einen Montag mal so toll finde und glückseligst in mein Büro fahre. 
 

Auch ich sehe wieder aus wie eine normale Mia, saubere ausgehfein-Kleidung, gewaschene UND frisierte Haare, fresh geduscht, wohlduftend und hochmotiviert. 
Im Büro treffe ich auf die letzten tapfernen - alles Frauen. Unsere männlichen Kollegen bewältigen den Coronavirus ähnlich wie eine Männergrippe und bleiben zu Hause.

(Zwinkerer an meine vielleicht mitlesenden Kollegen) 

Wie ein Streber packe ich mir noch einige Sachen für das Homeoffice zusammen und fahre in den Supermarkt um meine Vorräte für die nächsten Fressorgien wieder aufzufüllen - mit Einweg-Handschuhen, weils mich mittlerweile vor den Einkaufswägen graust. Dabei stelle ich fest, dass lange Fingernägel hier kontraproduktiv sind, denn die Handschuhe bekommen vorne Löcher und meine Fingerspitzen gucken raus. Hier muß also nachgebessert werden. Toilettenpapier, Seife und Desinfektion immer noch nicht zu bekommen. 

Ich schalte die Benachrichtungsfunktion meiner WhatsAppgruppen stumm, da meine gefühlt 100 aktiven Kontakte von früh bis nacht "lustige" Bilder und Videos verschicken. Ertappe mich allerdings dabei, selbst auch einige davon an mein armes Kind weiterzuleiten, ihr genervtes Augenrollen kann ich über zwei Stadtteile hinweg sehen. 
Jetzt das spektakulärste Erlebnis mit mir selbst: Ich habe gekocht. Selbst. Mit echten Zutaten. Leider hab ich das mit Mengen nicht so raus, das heißt wohl, ich esse jetzt 5 Tage das selbe. 
Erfolg des Tages: Die Delle auf meiner Couch hat sich wieder verkleinert.
 

22.März 2020 Sonntag

Tag 2 der Ausgangsbeschränkung

Verwahrlosungslevel leicht angestiegen. Habe entdeckt, dass die 2. Tasse Kaffee morgens besser schmeckt, wenn man sich nicht nach der ersten Tasse die Zähne putzt. Man schont auch seinen Jogginganzug, wenn man bis Nachmittag im Schlafanzugshorty rumgammelt. 
Meine neue Couch hat eine kleine Delle, die in etwa die Größe meines Hinterns wiedergibt. Ich habe die Delle vermessen um eine Statistik über die weitere Ausbreitung anzufertigen. 
Analoge Sozialkontakte haben sich reduziert auf eine Nachbarin, die es nicht lustig fand, dass ich Mittags meine Garderobe an die Wand gebohrt habe. (Habe vergessen, welcher Tag ist) 
Beim Gassi gehen einen Freund getroffen, der mich ungeschminkt mit Brille und Jogginganzug nicht erkannt hat. (Nur seine Hunde haben mich erkannt - am intensiven Geruch vermutlich) 
Ich habe den ersten kleinen Sonnenbrand der Saison, weil ich ein Schläfchen auf dem Balkon hielt. (Ausgangssperre ist schließlich mega anstrengend) Vielleicht war das auch ein Verdauungskoma. 

Ich kann nun die Hamstereinkäufer besser verstehen, da ich meinen 1-Woche-Vorrat bereits nach 2 Tagen fast komplett leergefressen habe. Ich muss also auch nochmal raus in den Supermarktdschungel und Nachschub besorgen.
Menschen, die mich gut kennen wissen, dass ich telefonieren hasse. Hier bemerke ich eine leichte Veränderung. Ich rede am Telefon länger als 2 Minuten und bin dabei sogar konzentriert. 
Leider telefoniert auch meine komplette Nachbarschaft scheinbar jetzt viel lieber und sehr häufig. Bevorzugt auf dem Balkon und sicherheitshalber ganz laut, dass es der Gesprächspartner am anderen Ende und die gesamte Straße auch wirklich versteht. 
Ich weiß also seit gestern über sämtliche Vermögensverhältnisse, Arbeitsplatzsorgen, Gesundheitszustände und Eheprobleme meiner kompletten Nachbarschaft total genau Bescheid.
Fazit: 2. Tag der Ausgangsbeschränkung erfolgreich und frohgemut überstanden, immer noch guter Dinge.

21.März 2020 Samstag

Tag 1 der Ausgangsbeschränkung

Obwohl ich ohne die Ausgangsbeschränkung auch nichts anderes gemacht hätte als mit, nehme ich leichte Verwahrlosungstendenzen wahr: Ich bin in einer Beziehung. Mit meiner Jogginghose. Von früh bis abends - und wie ein Assi: auch die 2x Gassirunde im Stadtpark mit Jogginghose. Weil: ich zieh mich doch für des halbe Stündle nicht komplett an und schmink mich vielleicht noch?

Zugleich hab ich auch noch ne Bindehautentzündung, oder Reizung, kann also keine Kontaktlinsen tragen und renn mit meiner Notbrille rum. Durch den dadurch veränderten und ungewohnt schwammigen optischen Blickwinkel trete ich auf Treppen meist bissle daneben, bin also unsicher und halte mich deshalb krampfig am Geländer fest. Meine neuen Nachbarn schauen mich mitleidig an und denken sich: schau hin die arme Frau, sitzt wahrscheinlich allein daheim und säuft den ganzen Tag. Ähm nein - tut sie natürlich  nicht.

Dann: so voll war mein Kühlschrank noch nie. Ich laufe also alle Stunde zum Kühlschrank und schau verliebt nei. Esse irgendwas leckeres und finde Hausarrest voll gemütlich. Gleichzeitig hab ich Angst, deshalb nach 14 Tagen mit einem Schwerlastkran über den Balkon aus meiner Wohnung gehoben werden zu müssen. Also Vorsatz: Sport machen. Hahaha, klar Mann. Voll nicht. 

Ich guck auf Amazon nach Hometrainern die zu meiner neuen Wandfarbe passen könnten und find nix. Nach der tausendsten Nachrichtensendung

falle ich schon um 11 todmüde ins Bett.

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